Die Entwicklung der souveränen Territorien bis ins 18. Jahrh. 405
Nur von diesem letzteren soll im folgenden die Rede
sein; was Osterreich und Brandenburg⸗Preußen betrifft, so
wird deren Entwicklung später gesondert zur Darstellung ge⸗
langen: schon deshalb, weil sich aus beiden Territorien die
großen Staatensysteme entwickelt haben, deren Rivalität und
Kampf seit dem 18. Jahrhundert die äußeren Geschicke der
Nation beherrscht hat.

Freilich kam es auch innerhalb des engeren Bereiches, der
hier betrachtet werden soll, keineswegs überall zu einem Kampfe
zwischen Fürsten und Ständen. Am allerwenigsten war das
zunächst in den zahlreichen geistlichen Territorien der Fall.
Hier fiel einmal das erbliche Interesse der weltlichen Fürsten⸗
häuser hinweg. Außerdem aber wurde hier ja der Fürst von
einem Kapitel oder Konvent irgendwelcher Art gewählt. Es
ließ sich ihm also eine Wahlkapitulation vorschreiben. Und
diese lautete, da die Kapitels⸗ oder Konventsherren sich ziemlich
regelmäßig zum guten Teile aus den Ständen des Landes
rekrutierten, jedenfalls aber als adlig mit diesen gemeinsame
Interessen hatten, natürlich stets auf solche Verstärkungen der
siändischen Gewalt, daß die Fursten nach der Wahl kaum gegen
sie vorgehen konnten.

Die geistlichen Fürstentümer und damit ein guter Teil des
Reichs blieben also von den ständischen Kämpfen im all—
gemeinen unberührt; und wenn in ihnen gleichwohl die Fürsten
wenigstens im 18. Jahrhundert vielfach unbeschränkter geboten
als früher, so taten sie es nur unter den Reflexen der all⸗
gemeinen öffentlichen Meinung, die inzwischen durch die innere
Entwicklung gerade der wichtigsten weltlichen Territorien an
ein mehr absolutistisches Auftreten der Fürsten überhaupt ge—
wöhnt worden war.

Aber auch in den weltlichen Territorien blieben die Stände
hier und da kräftig genug: mit Grund da, wo sie es ver⸗
ftanden, aus der bloßen Vertretung ihrer Sonderinteressen
herauszutreten, in der energischen Wahrung der allgemeinen
Interessen des Landes mit den Fürsten zusammenzutreffen und
zugleich jene im Laufe des 18. Jahrhunderts immer mächtiger