Die Entwicklung der souveränen Cerritorien bis ins 18. Jahrh. 407
Macht heran, — bis ihre Geduld auch hier im 18. Jahr⸗
hundert durch den leichtlebigen Absolutismus Augusts des
Starken auf härteste Proben gestellt ward.

Im übrigen aber kam es an zahlreichen Stellen des Reiches
spätestens seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zum
Kampfe mit den Staͤnden, und dieser Kampf führte zumeist noch
vor Abschluß des Jahrhunderts zur Vernichtung der wichtigsten
ständischen Freiheiten.

Hier und da waren freilich diese Kämpfe, in einzelnen
Phasen schon seit dem 14. Jahrhundert nicht selten, bereits im
16. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts
systematisch aufgenommen worden; und in diesem Falle hatten
sie sich vielfach mit den konfessionellen Gegensätzen verquickt.
Denn fast überall waren im 16. Jahrhundert die Stände
Träger der neuen Lehre gewesen und hatten diese zur Er—
weiterung ihrer Freiheit zu benutzen gesucht. Dabei ergab sich,
daß das konfessionelle Moment in dem Kampfe zwischen Ständen
und Fürsten besonders da eine Rolle spielte, wo die Fürsten
katholisch blieben: in Bayern also und vor allem in Hsterreich.

In der Tat werden wir später sehen, wie es eine der ver⸗
hängnisvollsten Tatsachen der österreichischen Geschichte ist, daß
die Habsburger den Kampf gegen die Stände mit der Gegen⸗
reformation verquickten. Aber auch in den Territorien der
neuen Lehre haben konfessionelle Elemente vielfach in den
Kampf zwischen Fürst und Ständen hineingespielt, namentlich
sobald es sich um den Gegensatz zwischen lutherisch und re⸗
formiert handelte. In Braudenburg z. B. bedeutete der Uber⸗
tritt Johann Sigismunds zur reformierten Kirche (25. Dez.

1618) einen Akt der Verselbständigung der staatlichen Gewalten
gegenüber der engen Verbindung der Stände der lutherischen
Orthodorie!.

Wichtigere Hilfsmittel zum Kampfe gegen die Stände als
die Kirchen bot indes in der zweiten Hälfte des 17. Jahr⸗
hunderts noch das Reich; denn die Fürsten wußten seine ver—

Ranke, Preuß. Gesch. S.W. 25. 26, S. 189.