108 Achtzehntes Buch. Viertes Kapitel.
alteten Einrichtungen geschickt zur Knechtung ihrer Territorial⸗
stände in Anspruch zu nehmen. Im wesentlichen ging man
dabei von der äußeren Reichssicherheit, also von einem militärischen
Gesichtspunkte aus, benutzte ihn aber sofort, um aus ihm schwere
finanzielle Verpflichtungen der Landstände und damit wo möglich
die Durchbrechung ihres Palladiums, des Steuerbewilligungs⸗
rechts, zu erreichen.

In dieser Richtung war schon ein Paragraph des Jüngsten
Reichstagsabschiedes (J. R. A. 1654 8 180) von schwerwiegender
Bedeutung; er stellte den Grundsatz auf, daß die Stände und
Untertanen der einzelnen Territorien niemals die „nötigen“
Kosten für Landesverteidigungszwecke verweigern dürften. Andert⸗
halb Jahrzehnte später aber ging man weiter. Im Jahre 1679
wurde von der Mehrheit der Reichsstände ein Gutachten be—
schlossen, welches den genannten Paragraphen dahin auszudehnen
beabsichtigte, daß die einfache Verpflichtung der Landstände zur
Bewilligung von Kriegs- und Militärkosten auch für alle Zwecke
von fürstlichen Bündnissen ausgesprochen werde, soweit diese
Bundnisse nicht den Bestimmungen des Westfälischen Friedens
zuwiderliefen. Es wäre die volle Emanzipation der auswärtigen
Politik wie der Militärverwaltung der Fürsten von dem Ein—
fluß der Landstände gewesen. Da hat denn allerdings der
Kaiser aus guten Gründen das Gutachten nicht bestätigt. Indes
die Fürsten wußten sich zu helfen: gerade die wichtigsten unter
ihnen, wie Bayern, Brandenburg, Köln, schlossen wenige Wochen
später ein ewiges Bündnis zu wechselseitigem Beistand gegen
alle Versuche ihrer Landstände und Untertanen, sich den an sie
gestellten militärischen Ansprüchen gewaltsam zu widersetzen.
Das Bündnis ist nie wirksam geworden; die Stände waren
genügend eingeschüchtert. Es war die Zeit, da sich die Lehre
des Hippolithus a Lapide und Pufendorfs in die Praxis
umzusetzen begann: die superioritas territorialis bringe es
mit sich, daß in casu neécessitatis die Privilegien der Stände
zessierten.

Aber freilich hatten um diese Zeit die Stände auch schon
vieler Orten eine Entwicklung genommen, die sie aus inneren