426 — Achtzehntes Buch. Viertes Kapitel.
Hauptmann ein edler Herr, Adlige vielleicht auch noch als
Doppelsöldner im ersten Gliede: das war der ursprüngliche Ge⸗
danke. Und in dieser Zusammensetzung sollte das Fähnlein
autonom sein, sich selbst regieren, einem Herrn höchstens auf
drei Monate zuschwören und größeren Verbänden sich fern⸗
halten, es sei denn der Unterordnung unter einen obersten
dauptmann. Das alles entsprach seiner seelischen Anlage, und
so haben an erster Stelle die Schweizer in den großen Zeiten
des Reislaufes gedient, von Nancy an bis Marignano.

Allein bald wurde der Halt der alten Organisation ge—
bhrochen. Es war schon eine Abweichung vom schöpferischen
Grunde der ersten Entstehung, wenn Kaiser Mar J., dem die
Schweizer bei dem alten Hasse der Eidgenossen gegen das Haus
Habsburg nicht dienen wollten, nun nach Analogie der Schweizer
kaiserliche, fürstliche Landsknechte aufstellte und eindrillte. Als
dann gar die großen Kriege der Zeiten Karls V. und Franz' J.
— D— Deutschland die Türken⸗
kriege namentlich der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts
folgten, und als demgemäß überall, bei im allgemeinen steigender
Geldwirtschaft, den deutschen Landsknechten und schweizerischen
Hellebardieren ähnliche Fußtruppen entstanden — dort die
Spanier mit dem langen Stoßdegen, hier die Janitscharen —:
da verloren sich die deutschegenossenschaftlichen Eigentümlich⸗
keiten in dem allgemeinen Gedränge, und die ursprüngliche
Institution erschien langsam als mittelalterlich und unzeitgemäß.
Dazu kam, daß auf deutschem Boden mit zurückgehender Volks⸗
wirtschaft die Rekrutierung schlechter wurde: neben den Bauern
und Handwerker trat der Taugenichts aus besserer Familie,
der Sohn des herabgekommenen Edelmanns, schließlich der
dandstreicher schlechthin: und sie alle in massenhaftem An⸗
—00 schneit und
leucht es zu, wie die Fliegen im Sommer,“ heißt es schon im
16. Jahrhundert. Und bei alledem wurde das Brot immer
trauriger und unsicherer; nichts mehr von dem alten nationalen
Stolze; jedem fremden Herrn lief man zu, denn in den fried—
licheren Zeiten der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war