Die Entwicklung der souveränen Territorien bis ins 18. Jahrh. 427
man froh, wo auch immer dienen zu können: anderen Falles konnte
man wohl heute in Beute schwelgen, um morgen am Hunger⸗
tuche zu nagen.

Trotzdem war mit den Söldnern dieser Zeit, wurden sie
gut gehalten und geführt, noch Treffliches zu leisten. Noch gegen
Ende des 16. Jahrhunderts zeigte der Statthalter von Fries⸗
land, Wilhelm Ludwig von Nassau, in den nordniederländischen
Kriegsläuften, wessen sie fähig waren, wenn man sie, in echter
Renaissancestimmung den Vorschriften der Römer folgend, zu
einer stetig zusammenhaltenden Feldtruppe eindrillte. Und selbst
bei den Verbesserungen der Velagerungstechnik, die derselbe
Wilhelm Ludwig nach den Vorschlägen des großen Mathe⸗
natikers Stevinus ausführte, hat sich der alte Söldner noch
bewährt.

Den eigentlichen Verfall brachte erst der Dreißigjährige
Krieg. Denn den sittlichen Versuchungen dieser Zeit erwiesen
sich die alten Söldner aͤllerdings nicht mehr gewachsen. Sie
berrohten in Plünderungen und wurden zugleich feige: wie
erfolgreich traten ihnen alsbald Gustav Adolfs schwedische
Bauernsoöhne entgegen! — sie entfremdeten sich völlig der bürger⸗
lichen Gesellschaft, und mit ihrem Troß von Weibern, Buben,
Dieben, Hehlern, Wucherern, Falschspielern — auf 3000 Mann
Kriegsvolk rechnete man etwa 4000 Begleiter und Begleiterinnen ⸗
hildeten sie eine fürchterliche und gemeingefährliche Welt für sich.

Gleichwohl haben alle diese Umstände ihren Charakter noch
aicht so sehr umgestaltet wie innere Wandlungen der Organi⸗
jation, die schon seit langem begonnen hatten.

Die Heere waren in den letzten Menschenaltern immer
größer geworden, und damit hatte die taktische Einheit des
Fähnleins als einziger Heeresrahmen längst nicht mehr genügt.
So waren schon früh mehrere Fähnlein zu einem Regiment
usammengefaßt worden, und die Würde des Obersten war ent⸗
standen. Aber bald griff man auch darüber hinaus, und über
die Obersten trat der General und über die Generäle der

Generalissimus.

Was hatte das nun für das Heer an sich zu bedeuten?