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Achtzehntes Buch. Viertes Kapitel.
Man muß sich hier erinnern, daß sich ein Fähnlein zumeist in
der Weise bildete, daß ein Haufe frommer Knechte einem be—
kannten Hauptmann zulief: einem Hauptmann, der unter
anderem auch dafür bekannt war, daß er guten Sold aus—
zudingen und ehrlich zu zahlen wußte. So war denn der
Hauptmann zugleich zum finanziellen Unternehmer seines Fähn⸗
leins geworden.

Nun war aber der Hauptmann trotzdem immer auch per—
sönlich und greifbar Führer seines Kontingentes geblieben;
seine finanzielle Tätigkeit hatte seine in erster Linie militärischen
Figenschaften und Funktionen nicht eigentlich verdunkelt. Wie
aber, wenn jetzt über den Hauptmann der Oberst und über
diesen der General und der Generalissimus getreten waren?
Wurden diese, der eigentlichen Truppe, dem gemeinen Manne
weit ferner stehend und doch, genau wie bisher der Haupt-—
mann, zugleich Brotherren ihrer Truppe und somit auch Brot—
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zu militärisch-wirtschaftlichen Unternehmern als zu Feldherren?
Es war eine Wandlung, die sich im Laufe des Dreißigjährigen
Krieges zwar nicht ganz vollzog, aber gar nicht selten ein—
zutreten drohte. Jedenfalls wurde damit die Kriegführung
eine Art des wirtschaftlichen Erwerbs, und General sein hieß
reich werden. Indem sich so das Kriegswesen mit „Finanzerei
und Kaufmannschaft“ verquickte, kauften die neuen Generäle
den alten Adel aus ihren Landsitzen aus und nahmen von den
Fürsten die besten Domänen in Zahlung: es wuchs ein neuer
kriegerischer Adel heran, der erst in dem Militäradel Napolons J.
eine Art von Gegenstück gefunden hat. So hat es, freilich ein
besonders schlimmes Beispiel, ein Graf Koenigsmark getrieben;
er hatte blutarm angefangen und hinterließ eine Jahresrente
von damaligen 130000 Talern. Aber auch das gräflich
Trekasche Vermögen wurde auf 4 Millionen Gulden geschätzt.
Und das Vermögen Wallensteins, das bei seiner Katastrophe
beschlagnahmt wurde, betrug 86611183 Gulden; davon gingen
freilich etwa 1700 000 Gulden anerkannter Schuldforderungen
ab, aber es kamen auch aus nicht taxierten Posten noch mehrere