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Achtzehntes Buch. Viertes Kapitel.
Und diese inneren Umwandlungen wurden von äußeren be—
gleitet. Einheitliche Bekleidung und Bewaffnung trat immer
entschiedener auf, und die uniformierten Regimenter wurden
nach gleichartigen Prinzipien gedrillt und taktisch verwendet
und so auch in den Einzelheiten des Berufes allmählich mit
gleicher Tradition und Durchbildung wie im ganzen mit dem—
selben Geiste erfüllt: so erwuchsen die alten Söldnerheere all—
mählich zu wirklichen Landesarmeen, wurden wichtige Glieder
in der Organisation des absolutistischen Staates.

Nun hat sich dieser soeben in seinen typischen Vorgängen
geschilderte Prozeß an verschiedenen Stellen natürlich vielfach
abweichend und auch verschieden rasch vollzogen. Doch kann
man sagen, daß um die Wende des dritten Viertels des
17. Jahrhunderts in den größeren Staaten überall entscheidende
Anfänge des Neuen vorhanden waren; und für die weitere
Durchbildung hat dann die Neuordnung der Reichskriegs-
oerfassung im Jahre 1681 vielfachen Anstoß gegeben. So wird
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setzen können; der damalige Kurfürst Johann Georg III. (16080
bis 1691) sprach es deutlich aus, er wolle „ein gewisses Regi—
ment mit seinen Truppen vornehmen und diese Truppen in
gewisse Regimenter setzen“. In Bayern sind festere Formen
etwa seit Max Emanuel, insbesondere seit 1680, wahrnehmbar.
Was aber Österreich und Preußen angeht, so war hier schon
in den ersten Jahrzehnten nach dem Dreißigjährigen Kriege
biel geschehen; die Vollendung brachten dann hier die Türken—
kriege unter Prinz Eugen, dort die harten Regierungsjahre
Friedrich Wilhelms J.

Im ganzen stand die deutsche Entwicklung mit alledem
hinter der fremden nicht allzusehr zurück: denn selbst die fran—
zösische Armee als absolutes Machtwerkzeug der Monarchie ist
eigentlich erst in den späteren Zeiten Ludwigs XIV. entstanden:
166 000 Mann zu Fuß und fast 40000 zu Roß bei einer Be⸗
oölkerung von etwa 15 Millionen Seelen.

Allein konnte bei solchen Ziffern, denen man sich doch
auch bei den deutschen Großmächten ungefähr näherte, wenn