Die Entwicklung der souveränen Territorien bis ins 18. Jahrh. 441]
der Staat hatte vielmehr auch dafür zu sorgen, daß die Waren
gut und wohlfeil seien, um infolgedessen im Auslande wie im
Inlande zahlreiche Abnehmer zu finden. Es waren Grundsätze,
die ein ganz verwickeltes System einzelner Maßregeln herauf⸗
führten: eingehende Sorge für gute Verkehrswege, gutes Münz-
system, billiges Transportwesen; Errichtung von Staatsfabriken
und von Gewerbeschulen; Beschaffung von guten Lehrern und
Vorbildern aus dem Ausland; Prämien, Vorschüsse und Steuer—
nachlässe für junge Privatindustrien; eine Politik, die auf
die verschiedenartigste Weise Lebensmittel und Löhne der
Arbeiter billig zu halten suchte: in manchen Städten das gerade
Gegenteil unserer heutigen Sozialpolitik; ferner eine Politik,
die durch Begründung von Banken, durch Zinstaxen und Wucher⸗
gesetze das Kapital billig zur Verfügung stellte; endlich der Erlaß
direkter staatlicher Vorschriften (sog. Reglements) für die in—
dustriellen Produktionsprozesse und den Vertrieb der Waren.
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gedachtes System in der Tat der Vermehrung des Geldreichtums im
Lande und des mobilen Kapitals zur Verfügung der Staatsgewalt
in hohem Grade zugute kommen mußte. Weniger Beziehungen
dagegen hatte diese Politik zu dem alten naturalwirtschaftlichen
Machtmittel, zum Grund und Boden. Sie sah diesen gefesselt
durch ein fast ein Jahrtausend altes naturalwirtschaftliches
Recht, das sie nicht zu lösen vermochte, ohne den Adel, auf
dessen soziale Hilfe sie angewiesen war, aufs schwerste zu be—
drücken, wenn nicht zu vernichten. Und sie bedurfte für ihre
Machtstellung einer Wirtschaftspolitik des Grundes und Bodens
nicht. Nur nach drei Richtungen eigentlich kamen die Menschen,
die sich von ihm nährten, für sie in Betracht: als Steuerzahler,
als Träger kriegerischer Leistungsfähigkeit und als Inhaber
industrieller Faustkraft. Als Steuerzahler durfte man den
Bauer mindestens nicht aussterben lassen; für den Beruf des
künftigen Soldaten und des billigen Arbeiters der Industrie er—
schien sogar eine Vermehrung der ländlichen Bevölkerung
wünschenswert. Im ganzen beschränkte sich damit das Interesse
des Staates an der ländlichen Bevölkerung auf diese Sorge