444 Achtzehntes Buch. Viertes Kapitel.
zum Vorteil der deutschen Ostseeländer auf den Landweg
über Rußland zu leiten. Im Jahre 1633 war dann vom
Herzog zu diesem Zwecke eine Gesandtschaft nach Rußland
und Persien geschickt worden, welche jahrelang unterwegs
blieb: bis sie im August 1637 in Ispahan ankam. Allein
als sie im Jahre 1689 wieder in Gottorp, der Residenz ihres
Landesherrn, eintraf, mußte man sich doch gestehen, daß mit
bdielen Mühen und Kosten eigentlich nichts erreicht war; und
für die deutsche Entwicklung ist die Erpedition schließlich
wichtiger geworden durch die prächtigen Dichtungen Paul
Flemmings, die auf ihr entstanden, als durch den Verfolg
ihrer eigentlichen Ziele.

Nicht glücklicher waren Pläne, die zur selben Zeit etwa
der Kurfürst Georg Wilhelm von Brandenburg zur Gründung
einer ostindischen Handelskompanie und der Herzog Jakob von
Kurland zur Herstellung von Handels- und Kolonialbeziehungen
bis zum Stillen Ozean hin verfolgten; und auch die ersten
Versuche des Großen Kurfürsten in verwandter Richtung (1658)
blieben ohne Ergebnis.

Immerhin aber waren doch für Pläne dieser Art die Aus—
sichten günstiger, wenn sie von Brandenburg ausgingen. Denn
rechnet man mit der Tatsache, daß die Herrschaft über die
Nordsee infolge der erlahmenden Initiative schließlich sogar
Hamburgs wesentlich den Engländern und Holländern zu—
gefallen war, so daß von deutschen Küsten für überseeische
Unternehmungen, abgesehen von der österreichischen Adria, vor—
nehmlich nur noch die Ostseeländer in Betracht kamen, so war
hier Brandenburg zentraler gelegen als Schleswig-Holstein oder
Kurland, hatte auf Grund eben dieser Lage schon im Mittel⸗
alter dem Meere zugestrebt und war jetzt zudem allein von
allen deutschen Ostseeländern mächtig genug, um an Teilnahme
am Dominium maris baltici, als der Voraussetzung für jedes
dauernde Gedeihen überseeischer Herrschaft, denken zu können.
Es ist deshalb völlig verständlich, daß der Große Kurfürst nach
dem Frieden von Oliva, im Jahre 1660, Ratschlägen des ehe—
maligen holländischen Admirals Gijsels van Lier, schon früher