Die Entwicklung der souveränen Territorien bis ins 18. Jahrh. 445
seines maritimen Beraters, Gehör lieh, die auf Begründung
einer ostindischen Handelskompanie ausgingen. Freilich hatten
diese Pläne zunächst eine viel größere als allein brandenburgische
Perspektive. Es war die Absicht, mit ihnen die holländische
Handelsuübermacht überhaupt zu brechen, wie sie vornehmlich
auf dem Verkehr mit Ostindien und dem Vertriebe der ost—
indischen Erzeugnisse in Europa beruhte. Und dazu sollte nicht
nur Brandenburg als Ostseemacht in Anspruch genommen
werden, sondern es sollten neben anderen deutschen Ländern
auch Hsterreich und Spanien als Mittelmeer⸗ und teilweis
Weltmeermächte mithelfen. Es waren Pläne, die sich an—
scheinend grade durch den Rücktritt des Großen Kurfürsten zer⸗
schlagen haben. Indes war durch sie der Gedanke kolonialer und
uüberfeeischer Handelsmacht doch auch im inneren Deutschland
stärker als bisher angeregt worden, um so mehr, als Colbert,
beunruhigt durch das große deutsche Projekt und vor allem die
Teilnahme Spaniens daran, auch von französischer Seite deutschen
Fürsten, die teilweis schon an diesem ersten Projekt mitbeteiligt
gewesen waren, so vor allem dem Kurfürsten Johann Philipp
don Mainz, den Vorschlag eines binnendeutsch⸗-französischen
Handels⸗ und Kolonialunternehmens in Guyana, wenn auch
erfolglos, gemacht hatte. Unter diesen Umständen suchte dann
Becher, der 1664, noch vor dem Erscheinen seines Diskurses,
als Hofmedikus mit dem Auftrag, zugleich in „Handlungs—
und Kameralsachen“ tätig zu sein, in bayrische Dienste ge—
relen war, Bahern für eine Kolonie am Essequibo Guyana)
mit holländischer Hilfe und, nachdem dies Projekt sich zer⸗
schlagen hatte, für eine mit englischer Hilfe irgendwo anders zu
errichtende Kolonie zu gewinnen. Natürlich blieben auch diese
Absichten in der Luft, genau so wie andere Pläne des unruhigen
Mannes, die er, seit 1666 in Osterreich angestellt, dem Kaiser
für die Errichtung einer „oste und westindischen Kompanie“
vortrug.
Die Ursache, an der alle diese Projekte schließlich scheiterten,
war im Grunde dieselbe: die Entlegenheit der Mächte, die sie
unternehmen sollten, vom Meere und das Fehlen einer staat—