446 Achtzehntes Buch. Viertes Kapitel.
lichen Marine, eines politischen Schutzes auf See und über
See. Die Folge war, daß man fremden Schutz, fremde Vor—⸗
mundschaft suchen mußte. Diese war aber nur von seiten der
seemächtigen Staaten, Hollands, Englands, Frankreichs, zu
erlangen. Sollten sich diese aber freiwillig einen Konkurrenten
großziehen? Nur besondere Umsiände, das Ausspielen dieser
Mächte gegeneinander etwa, wie es in dem Projekt des Jahres
1660 ein wenig beabsichtigt war, hätten hier helfen können.
Aber die Gunst dieser Umstände blieb aus, und so ließ sich der
Versuch, zu günstigen Ergebnissen zu gelangen, höchstens da
noch einmal wagen, wo die Möglichkeit der Begründung einer
territorialen Flotte vorlag, in Brandenburg!.

Und da ist es der Große Kurfürst gewesen, der diesen
Versuch noch einmal, wenngleich nicht mit durchschlagendem, so
doch mit besserem Erfolge als alle seine Vorgänger, gemacht hat.
Charakteristisch ist es für diesen letzten Versuch, daß er nicht
eigentlich von kommerziellen Beweggründen ausging, sondern
durch staatliche Notwendigkeiten, Notwendigkeiten der äußeren
Politik veranlaßt wurde: so daß hier das Element staatlichen
Schutzes alsbald ausreichend motiviert schien.

Der im Jahre 1675 ausbrechende Krieg veranlaßte näm—
lich den Großen Kurfürsten, gegen Feinde, deren er auch auf
dem Wasserwege habhaft werden konnte, gegen Schweden und
Frankreich, eine Kaperflotte ins Leben zu rufen. Er bediente
sich hierzu der Mittel eines kaufmännischen Konsortiums, an
dessen Spitze der holländische Reeder Benjamin Raule aus
Middelburg stand; der von diesem Konsortium zusammen—
gebrachten und mit Holländern bemannten Flottille verlieh er
Kaperbriefe gegen Anteil am Prisengewinn. Es war ein sehr
vorteilhaftes Geschäft; darum wurde es auch nach dem Frieden
von St. Germain (1679) noch einige Zeit gegen Spanien fort—
gesetzt, dem gegenüber der Große Kurfürst Forderungen an rück—
ständigen Subsidiengeldern hatte.

Hsterreich hatte nur Triest: eine zu unbedeutende und auch etwas
entlegene Basis.