Die Entwicklung der souveränen Territorien bis ins 18. Jahrh. 447
Als aber diese Beschäftigung der Flotte aufzuhören
begann, während Friedrich Wilhelm doch das Bedürfnis
empfinden mußte, noch nach wie vor mit einer gewissen Macht
auf See vertreten zu sein, traten für die Erhaltung der Flotte
kommerzielle Pläne in den Vordergrund, die Raule schon 1676,
kurz nach seinem Eintritt in das Verhältnis zu Kurbranden⸗
burg, angeregt hatte. Es handelte sich um Fahrten nach der
Küste von Guinea, Handel mit den dortigen Eingeborenen, und
Beteiligung an dem Sklavenhandel von der Goldküste nach
Amerika. Der Große Kurfürst ging jetzt auf diese Pläne ein;
freilich zunächst nur in der Form, daß er einem holländischen
Konsortium unter Raules Vorsitz das Recht zur Führung der
brandenburgischen Flagge und zum Genuß der daraus folgen⸗
den Vorteile verlieh; jede finanzielle Beteiligung dagegen lehnte
er ab. In dieser Form, unter brandenburgischer Autorität,
aber mit holländischem Kapital, ging darum im Herbst 1680
die erste Expedition, aus zwei größeren Schiffen bestehend, ab.
Es gelang ihr, trotz des Widerstandes der Holländer, wenn auch
mit Verlust eines Schiffes, sich zwischen Axim und dem Kap
DTres Puntas festzusetzen; finanziell ertragreich freilich war sie
nicht. In Brandenburg aber schritt man jetzt, nach der Rück—
kehr des übriggebliebenen Schiffes, im Jahre 1682 zur Be—
gründung einer afrikanischen Handelskompanie, an der sich
auch der Große Kurfürst beteiligte. Freilich: als Grundkapital
waren nur 50000 Reichstaler in Aussicht genommen, und der
Anteil des Kurfürsten betrug nur 8000 Reichstaler, der des
Kurprinzen 2000; Raule dagegen war mit 24 000 Reichstalern
beteiligt. Trotzdem gingen die Dinge zunächst vorwärts; eine
neue Expedition begründete 1683 das Fort Groß⸗Friedrichs⸗
burg, 1684 wurde die Insel Arguin besetzt, und es gelang
auch, als Stützpunkt für den amerikanischen Sklavenhandel
von der dänischen Regierung eine Station auf der Insel

St. Thomas zu erwerben. Der Gewinn aber war nicht un⸗
bedeutend.

Trotzdem kam man auf die Dauer nicht vorwärts. Das
heimische Kapital war den großen Risiken des überseeischen