148 Achtzehntes Buch. Viertes Kapitel.
Handels nicht gewachsen, und diese konnten um so weniger
vermieden werden, als die Holländer dem neuen Wettbewerb
mit anhaltendem Widerstand entgegentraten. Zwar wurde der
Sitz der Kompanie 1688 von Pillau nach Emden verlegt, um
die Fahrten abzukürzen und ein kaufkräftigeres heimisches
Hinterland zu erlangen; zugleich schossen die ostfriesischen
Stände 24000 Reichstaler als Einlage in die Kompanie ein,
wie ein Jahr darauf der Kurfürst Maximilian Heinrich von
Köln die gleiche Summe. Allein alle diese Mittelchen halfen
nichts; dauernd fehlte dem Unternehmen das Blut des Kapitales.
Was half es da, daß einige brandenburgische Geheimräte und
Militärs ein paar tausend Taler zubrachten? Schon beim
Tode des Großen Kurfürsten (1688) war es klar, daß das
Unternehmen unheilbar krankte. Unter König Friedrich J. ist
es dann weiter zurückgegangen; Friedrich Wilhelm J. aber hat
es 1721 für eine geringe Summe liquidiert: da er dies „Com⸗
merzien-Wesen jedesmal und von aller Zeit her als eine
Chimere angesehen“, wolle er keinen Taler weiter darauf ver—⸗
wenden, auch seine Unterschrift nicht mehr dafür hergeben.

Trauriger Abschluß großer Pläne! Aber es konnte nicht
anders sein; erst im Laufe des 18. Jahrhunderts hat das
Bürgertum in emsiger Sparsamkeit die Kapitalien angesammelt,
die eine fürstliche Handelspolitik in großem Stile ermöglichen
konnten. Brandenburg-Preußen aber hatte mindestens in diesem
einen Punkte schon im 17. Jahrhundert gezeigt, daß die kühne
Initiative seiner Fürsten zum Vorangehen und damit zur Vor—
herrschaft in Deutschland berufen war.

3. Waren die merkantilistischen Ziele in sich geschlossen
und traten sie den deutschen Fürsten in ziemlicher Reinheit
in dem Beispiele der Handels- und Gewerbepolitik der west—
lichen Nachbarn, namentlich Frankreichs, entgegen, so zeigte
sich doch bald, daß ihre Durchführung in Deutschland den
größten Schwierigkeiten unterlag. Und diese Schwierigkeiten
ließen sich schließlich alle auf einen großen, schon einmal ge—