Die Entwicklung der souveränen Territorien bis ins 18. Jahrh. 451
in unsere Periode hinein sogar in einer Zollerhebung an der
Elbbrücke zu Dresden Ausdruck fand!

Im ganzen mußte man unter diesen Umständen froh sein,
wenn die innere Befreiung des Territoriums langsam Fort⸗
schritte machte und vom Standpunkte der Handelspolitik aus
leise eine wirtschaftliche Gleichartigkeit und Gleichberechtigung
aller Einwohner wenigstens in einigen Grundzügen hervortrat.
So wurden z. B. die inneren Zölle immer niedriger, während es
seit Mitte des 17. Jahrhunderts immer mehr Brauch wurde, nach
außen ein System stetig erhöhter territorialer Grenzzölle her—
zuftellen. So gelang es weiterhin, wenigstens die Zulassung
des Produktenverkaufs auf dem platten Lande, und mindestens
für den Adel, durchzusetzen, sowie das Hausieren auf dem
platten Lande unter gewissen Vorsichtsmaßregeln freizustellen.
Auch der Verkauf ländlicher Erzeugnisse in der Stadt, etwa
unter staatlicher Kontrolle, wurde ermöglicht. Und der Abschluß
der einzelnen Städte gegeneinander wurde durch Oktroyierung
gegenseitiger Freizügigkeit gebrochen.

Zu diesen mehr gegen das Herkommen gewandten Maß⸗
regeln kamen dann andere, welche positiv und in die Zu⸗
kunft gerichtet auf die Herstellung eines in sich gleichartigen,
zugleich aber nach außen hin stärker geschlossenen Territorial—
ftaates hinausliefen. Schon das System der Grenzzölle wirkte
in diesem Sinne, noch mehr aber weitgehende Bevorzugungen
der einheimischen Kaufleute innerhalb der Territorialgrenzen
und die Entwicklung einer eigenen Ausfuhr- und Einfuhr⸗—
volitik.

Aber ließ sich denn dies Ideal eines in sich wirtschaftlich
geschlossenen Territorialstaates tatsächlich verwirklichen? Wir
haben schon gesehen, wie klein doch im Grunde diese Konzeption
war; und wie wurde sie zudem von dem immer mehr vorwärts⸗
flutenden Verkehre Tag für Tag vergewaltigt! Leipzig hatte
im Jahre 1681 ständige Postrouten über Dresden nach Prag,
nach Nürnberg, nach Frankfurt am Main, nach Hamburg, nach
Berlin und nach Breslau; von Basel fuhr man damals schon
längst regelmäßig nach Straßburg in zwei, nach Mainz in vier

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