Die Entwicklung der souveränen Territorien bis ins 18. Jahrh. 455
kannte an, daß in ihnen der Handel um seiner selbst willen
gefördert werden müsse; es entstand ein besonderes Meßrecht
fur den Wechselverkehr, den Wucher und die stärkere Aufrecht—
erhaltung des lokalen Friedens; es wurde in einem eigenen
Handelsgericht eine stärkere Justiz, in einer Bank (in Leipzig im
Zaneco dei Depositi, 1692) ein besonderes Institut für rasche
Bewältigung von Kauf und Verkauf geschaffen.

Aber wer sähe nicht, daß eine so weitgehende Entwicklung
der Meßfreiheit mit starker Ruckwirkung auf ein ganzes Terri—
torium schließlich doch nur für Leipzig, also in Kursachsen
stattgefunden hat? Hier herrschte in der Tat grundsätzlich
Handelsfreiheit; mit ganz geringen Ausnahmen gab es keine
starken Schutz⸗ oder gar Prohibitivzölle, und von den positiven
Maßregeln des Merkantilismus wurden nur die gepflegt, und
zwar schon seit Kurfürst August (zweite Hälfte des 16. Jahr⸗
hunderts), die auf die Hebung der heimischen Industrien ab—
zielten. Geschah dies also alles in Sachsen, so vermochte das
Land in dieser Hinsicht eben nicht als Typ der allgemeinen
serritorialen Entwicklung zu gelten; denn im allgemeinen ging
die Absicht keineswegs auf Freiheit des Handels, sondern auf
wirtschaftlichen Abschluß des Territoriums.

Ein Zugeständnis wurde den Territorien in dieser Hinsicht
eigentlich nur durch die zunehmende Verbesserung des Transport⸗
wesens und die Förderung des mit ihm in enger Verbindung
stehenden Straßenwesens eutrissen. Territorien, die von großen
Straßen, sei es Kunststraßen oder natürlichen Wasserstraßen,
durchschnitten wurden, konnten bei steigendem Verkehr doch
nicht umhin, wenigstens zur teilweisen gegenseitigen ffnung
ihrer Grenzen zu schreiten. Freilich wurde dies Zugeständnis
meist erst im 18. Jahrhundert gemacht; vorher versuchten die ein⸗
zelnen Territorien mit oft sehr strupellos gewählten Mitteln, sich
in die einseitige Verfügungsfreiheit uüber die betreffende Straße zu
bringen. Und weiter begründete das Transportwesen, vor allem in
der Form der Post, wenigstens für die größeren Territorien das
Bedürfnis einer über die Territorialgrenzen hinausreichenden
Verkehrs- und gelegentlich auch Handelspolitik. Maßgebend