456 Alchtzehntes Buch. Viertes Kapitel.
war hier zunächst der Gedanke, das Postregal wenigstens im
eigenen Lande in der Hand zu haben; er erklärt sich schon aus
dem staatlichen Bedürfnis nach Übersicht und nach rascher Ver⸗
bindung mit den lokalen Verwaltungsbehörden. Von hier aus
aber lag die weitere Absicht sehr nahe, die Post auch über die
Grenze des Territoriums hinauszuführen und damit eine Ver⸗
kehrspolitik interterritorialen Charakters zu entwickeln.

Nun war freilich die VPost keineswegs auf diesem Wege
entstanden.

Auf deutschem Boden war der Entfaltung eines leidlich
regelmäßigen gemeinwirtschaftlichen Verkehrs im Anschluß an
mittelalterliche Genossenschaften, wie Klöster, Gilden, Universi⸗—
täten, seit spätestens Mitte des 14. Jahrhunderts die Begrun⸗
dung städtischer Botenanstalten gefolgt, so in Augsburg, Nürn⸗
berg, Frankfurt, Köln. Diese Anfänge eines regelmäßigen
Verkehrs wurden dann seit dem 16. Jahrhundert uüberholt durch
eine speziell habsburgische Post, die aus dem Bedürfnis der
weithin herrschenden Fürsten dieses Hauses hervorging, von und
nach allen Seiten hin rasch Nachrichten zu empfangen und zu
geben; und dies Bedürfnis war groß genug, um eine regelmäßige
Nachrichtenvermittlung als nützlich erscheinen zu lassen: als
Kaiser Max am 23. April 1507 nach Villingen kam, gingen
Tags darauf „ob 800 Brieff hie uß in das Niderland und
nach Ungarland“.

Die ersten Linien dieser habsburgischen Post verliefen
seit Ende des 15. Jahrhunderts von Innsbruck nach den Nieder⸗
landen und nach Italien. Sie bestanden in Relaisstationen
(„Posten“), auf denen die fürstlichen Feldjäger stets frische
Pferde fanden. Hierüber hinaus führten dann im zweiten
Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts Franz und Bernhard Taxis
ein verbessertes System aus Italien in Deutschland ein; im
Jahre 1516 ging zum ersten Male eine allgemein benutzbare
reitende Post von Wien nach Brüssel. Die Taxissche Ein⸗

richtung verbreitete sich dann rasch weiter; das Haus betrieb
die Hauptlinien Prag bezw. Wien Mailand Madrid und
Brussel Paris Madrid wie eine immer größere Anzahl von