Die Entwicklung der souveränen Cerritorien bis ins 18. Jahrh. 459
bloß Länder, sondern auch Provinzen untereinander stritten.
Eher war am Rhein und im Westen überhaupt noch ein besserer
Zustand gewahrt oder in Aussicht, da hier die Kleinheit der
Staaten zu notgedrungenen Zugeständnissen an die Forderungen
des Verkehrs führte: wie hätten z. B. die 1400 bis 1500 reichs⸗
ritterschaftlichen Gebiete Handelsverbote aussprechen, Zölle auf⸗
legen, Monopole erteilen sollen?
Im ganzen freilich waren die Ergebnisse im Westen und
Osten gleich traurig; weder zu einem stärkeren Verkehr im
Innern noch etwa gar zu größerem Außenhandel ist man
fortgeschritten. So ist zunächst von Landesprodukten wohl
nur wenig ausgeführt worden, wenngleich es an einzelnen
Stellen wohl Export gab, 3. B. eine starke Viehausfuhr
nach Frankreich, eine gewisse Getreideausfuhr nach Holland
und England. Doch im allgemeinen wurde der Export
durch den Import wohl ausgeglichen. Von Produkten der
Hausindustrie setzte man weiterhin Metallwaren nach England
ab, und den Hauptgegenstand der Ausfuhr bildeten Leinenwaren;
hierin wird der Jahresexport von den besten Statistikern der
zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wohl zu hoch auf 60 bis
90 Millionen Mark berechnet. Was aber den inneren Aktiv⸗
handel anging, so war er so gering, daß noch in der zweiten
Hälfte des 18. Jahrhunderts der Zinsfuß in den verschiedenen
Ländern der Nation ganz verschieden hoch stand; bei weitem
höher im Osten als im Westen; höher auch in industriellen
Ländern als in Gegenden vornehmlichen Ackerbaus!. Eine
Menge Geld blieb unter diesen Verhältnissen müßig im Kasten
liegen, statt produktiv verwendet zu werden. Als Friedrich
der Große, um dem abzuhelfen, bei der 1765 in Berlin er⸗
richteten Bank und deren Provinzialkontoren Depositenkassen
schuf, war der Zudrang so groß, daß man sich schon 1778
genstigt fand, den anfangs gewährten Zinsfuß von 3 vom
Hundert auf 2/2 herabzusetzen.
Indes sah man im Verlaufe des 18. Jahrhunderts wenigstens

1 Biedermann? 1, 286.