Übersicht der fremden Kultureinflüsse vom 16. bis ins 18. Jahrh. 25 Und Hand in Hand mit ihr erwuchs als Voraussetzung wie Folge ein verändertes gesellschaftliches Dasein der höheren Schichten, des Adels vor allem und ves Hofes: Wohl ent—⸗ zückte den Adel im Sommer noch das Leben in Feld und Wald, aber wenigstens der Winter wurde immer mehr in stüdtischem Treiben zugebracht. So war er den schönen Künsten und der Dichtung, aber auch der Kunst der gesellschaftlichen List und Intrige geweiht. Und in dem geschlossenen Dasein des städtischen Palastes begann die Frau zu herrschen, gewann das Weibliche, das Intime Gewalt. Der Begriff des Salons entwickelte sich, Esprit wurde zum Nerv der Unterhaltung, und unzertrennlich verquickten sich Lebensernst und gesellige Heiter— keit. Das Dasein erhielt den Charakter eines Kunstwerkes, wie einst in den schönen Zeiten des Rittertums ; aber keineswegs mehr trug es dabei den abenteuerlichen, ins Weite lockenden Zug dieser längstvergangenen Zeit; ins Engere zog es sich; die Feinheit der Durchbildung des Einzelnen ging über alles: keine scharfe Eigenart, innere Vollendung vielmehr nach den Maßen der gegebenen Verhältnisse war die Losung. In die werdende Bildung dieses Lebens trat die Monarchie des Sonnenkönigs ein. Was gesellschaftlich begonnen war, im Sinne strengster höfischer Zentralisation ward es vollendet. Nun wurde der Hof zum Mittelpunkt der aufgesammelten geistigen Bestrebungen, zur Quelle des Geschmackes, zum Horte der Wissenschaft. Aber dieser Hof war derselbe, der in ernstester Arbeit die natürlichen Hilfsmittel des Landes entwickelte, In⸗ dustrien schuf und den Handel vermehrte, — und diese Monarchie war die des großen Eroberers an fast allen Grenzen des Landes, des Herren und Meisters der europäischen Politik. Wahrlich, ein berückendes Bild allseitiger Größe! Wie hätte es auf die deutschen Zeitgenossen nicht wirken sollen, die Epigonen der trübseligen Geschlechter des Dreißigjährigen Krieges! Völlig und in ieder Hinsicht wurde diese Kultur, wurde das ihr zugrunde liegende Ideal von den deutschen Fürsten und Adligen, jetzt den gesellschaftlich herrschenden Klassen, bewundert,