Zweites Kapitel. Neue Ideale weltmãnnischer und gelehrter Bildung; ihre Verbreitung in den führenden Schichten der Fürsten, des Adels und des Bürgertums. Das neue Zeitalter, das um die Mitte des 18. Jahr⸗ hunderts anbrach, kann, wenigstens in seinen Anfängen, als das Kulturzeitalter jenes neuen Standes der Bürger bezeichnet werden, der sich in einem Jahrhundert härtester Arbeit seit dem Ausgange des Dreißigjährigen Krieges wieder langsam zu wirtschaftlicher Selbständigkeit herauszuarbeiten begonnen hatte, um in dem folgenden Jahrhundert der sozialen Autonomie die politische hinzuzufügen. Das ältere Zeitalter des 16. bis 18. Jahrhunderts dagegen war in den Zeiten, deren Betrach⸗ tung uns hier obliegt, seit dem Ausgange des großen Krieges, ja schon vor dessen Beginn nicht mehr eine Periode steigender bürgerlicher Kultur, sondern wachsender Herrschaft der Aristo⸗ kratie, der Fürsten und des Adels. Es ist nicht nötig, hier der tiefsten Gründe dieses Um⸗ schwunges nochmals eingehend zu gedenken; man weiß, wie vornehmlich eine gewaltige Wandlung der allgemeinen Verkehrs⸗ beziehungen, die Folge der großen Entdeckungen des 15. und 16. Jahrhunderts, der Anfänge der europäischen Eroberung des Erdballs, das innere Deutschland aus seinen bisherigen inter⸗ nationalen Zusammenhängen herausriß, während nur die Niederlande und die Nordseeküste im Gleise der hergebrachten