46 Neunzehntes Buch. Zweites Kapitel. an den Höfen, so kam zu alledem nun noch die sittlich ver— dorbene Luft dieser Höfe, um einen Dunstkreis zu schaffen, in dem rücksichtsloseste Anwendung der Ellbogengewalt ge— wöhnlich war. „Heute zu Tage,“ heißt es in der „Schmiede des Politischen Glücks“ von Bessel (1672), „suchen die meisten durch Schmeicheley ihre Beförderung, von welchem süßen Gifte die meisten Hof-Leute angesteckt seyn, und ist vornehmlich an den Höfen im Schwange.“ Und dasselbe Buch gibt allen Strebern die folgende allgemeine Anweisung: „Wann ein junger Mensch sich nun endlich geschickt macht, Gott und seinem Vaterlande zu dienen, alsdann muß er sich mög— lichsten Fleißes bemühen, daß er bey Fürsten und Herrn be— kannt werde, und bedacht seyn, wie er ihre Gnade erlangen möge: hierdurch wird er ihm den Weg zu einem Dienste bahnen. Es ist nicht mehr um dieselbe Zeit, da geschickte und gelehrte Leute gesucht wurden, sondern man muß sich wissen wohl herbeyzuthun und neben seinen Geschicklichkeiten sich um die Be— förderung noch sauer werden lassen; wer das nicht thun will, sondern auff seinen ordentlichen Beruff warten, der bleibt wol sitzen, wofern Gottes Vorsehung nicht ein anders schicket.“ III. Aber die Erscheinungen dieser neuen Kultur des Hoflebens, wie sie bisher betrachtet worden sind, gehörten sehr bald und teilweis von vornherein keineswegs bloß dem Adel an. Viel— mehr war das vielleicht das folgenreichste an ihnen, daß sie sich, bei dem Verfall der eigenständigen bürgerlichen Kultur, rasch auf alle besseren Schichten des Bürgertums zu verbreiten begannen. Und zwar in doppelter Weise. Entweder nahmen hervorragende Angehörige des Bürgerstandes Hof-, Heeres⸗ und Verwaltungsdienste an oder machten sich wenigstens für solchen Dienst geschickt und traten damit in die Berufskreise des Adels, —BDDDDDDD— haltung der höfischen Kultur.