58 Neunzehntes Buch. Drittes Kapitel. oder dichterisch oder im engeren Sinne des Wortes wissenschaftlich äußerte. Die ersten Versuche, durch solch einen Zusammenschluß und durch gemeinsames Arbeiten zur Ausdehnung der Erfahrung zu gelangen, fanden daher in Vergesellschaftungen statt, die, weil sie gemeinsame Lebensanschauung voraussetzten, eigentlich noch die ganze Persönlichkeit in Anspruch nahmen und, weil sie die ganze Person umfaßten, im Grunde auch noch einen halb mittelalterlichen Charakter trugen. Gemeinschaften dieser Art waren in Deutschland die nach italienischem Muster, doch mit mancher Anlehnung an deutschen Zunftbrauch begründeten Gesellschaften der sogenannten Natur— philosophen: in ihnen fanden sich Anhänger der neu empor⸗ dringenden intellektualistischen Weltanschauung zusammen, bald mit einer Neigung mehr zu den Naturwissenschaften, bald mit besonderen geisteswissenschaftlichen Zielen, immer aber praktisch gewandt und mit einem lebhaften Drange nach ernster Be— tätigung persönlicher Sittlichkeit und Religiosität und mit einer Vorliebe für das Nationale, insbesondere für die Bewahrung und Besserung der deutschen Sprache. Die ältesten und wichtigsten dieser Gesellschaften gehörten dabei geisteswissenschaftlichen, ja teilweis noch vorwiegend dichterischen Bestrebungen an; und sie umfaßten mit ihren Verbindungen, die sie gern mit dem Schleier eines harmlosen Geheimnisses umgaben, namentlich anfangs hohe, vor allem fürstliche Kreise. Hierher gehört in gewissem Sinne schon die von Ludwig von Anhalt-Köthen mit einigen Freunden im Jahre 1617 zu Weimar begründete Deutsche Gesellschaft des Palmbaums“, auch „Fruchtbringende Gesellschaft“ genannt, von der später, in der Geschichte der Dichtung, noch mehr die Rede sein wird; ihr gehörten zuerst acht Fürsten und Adlige an, und sie hatte als praktischen Zweck vornehmlich auch die Betonung des Nationalen in den aristokratischen Kreisen und hat, entsprechend ihrem Ursprungs— orte, vornehmlich in Mitteldeutschland mit Ausnahme von Kur— sachsen und in Brandenburg Fuß gefaßt. Durchaus in den geschilderten Zusammenhang gehören dann das um 1620 von Joachim Jungius zu Rostock gestiftete, Collegium philosophicum“