Weitere Entwicklung des Intellektualismus. 71 hat sich in Fällen, wo Beweis und gesetzmäßiger Ausdruck be— stehender komplizierter Tatsachen mit den Methoden der höheren Mathematik heute leicht zu erreichen sind, vielfach mit der Heranziehung einfachster geometrischer Vorstellungen und Kon— struktionen begnügen müssen, deren wissenschaftliche Kapazität dann bei weiterer Spannung der Probleme versagte. So führt sogar schon die Grundfrage des Fallgesetzes: was nämlich aus riner Größe werde, die derartig wächst, daß die zuwachsenden Elemente stets sofort der Grund neuen Wachstums werden, schließlich zu Problemen, die nur mit den Verfahrungsweisen der höheren Mathematik zu bearbeiten sind. Unter diesen Umständen hat Galilei wohl die großen Ele— mente der Mechanik aufgedeckt und auf eine Anzahl wichtigster Grundannahmen zurückgeführt: auf das Beharrungsvermögen, auf den Grundsatz der Zusammensetzung der Kräftewirkungen, auf den Grundsatz endlich der Basierung des Gleichgewichts der Kräfte auf die Gleichheit ihrer virtuellen Momente. Aber es fehlten ihm auf diesem Gebiete gleichwohl noch der treffendste Ausdruck und die klarste Anschauung, und der mathematische Ausbau vieler Einzelprobleme konnte erst mit der mathe— matischen Vertiefung der Folgezeit, vor allem durch die Er— findung der Infinitesimal(Differential-)rechnung durch Newton und Leibniz erreicht werden!, wenngleich auch jetzt noch die beste Lösung und vor allem die Vereinfachung vieler Probleme dem 18. und 19. Jahrhundert vorbehalten blieben. Die Arbeit der auf Galilei zunächst folgenden Generationen vollzog sich, insofern sie von allgemeiner Bedeutung geworden ist, vornehmlich in zwei Richtungen. Einmal griff Newton (1642 1727) das schon von Galilei bearbeitete Wurfproblem auf. Galilei hatte die parabolische Wurfbahn aus der Kombi— nation des Beharrungsvermögens des geworfenen Körpers und der Schwerkraft erklärt; Newton erweiterte jetzt die Probleme, die sich hier aufdrängten, zu einer allgemeinen Theorie der krummlinigen Bewegungen und der sie erzeugenden Kräfte. Vgl. dazu Bd. VI, S. 139 ff.