Weitere Entwicklung des Intellektualismus. 73 Es lag in der Natur der Sache, daß diese Ausbildung zunächst auf mathematischem Wege, vermöge der höheren Analysis, versucht ward. Auf diesem Gebiete hat, unter erheblichster Bereicherung der allgemeinen analytischen Methoden, mit am frühesten der deutsche Mathematiker Euler gearbeitet; im Jahre 1736 erschien zu Petersburg feine „Mechanica sive motus scientia analytice exposita“. Ihr folgte später d'Alemberts „Traité de dynamique“ (1743); und ihren Abschluß fand diese Richtung in dem formell höchst vollendeten Werke Lagranges, der „Mécanique analytique“, die 1788 zuerst erschienen ist. Lagrange brachte es, indem er das Gleichgewicht als einen Grenzfall der Bewegung ansah, so weit, jedes statische Problem auf ein dynamisches zurückzuführen, zugleich aber den Nachweis der Ableitbarkeit aller Probleme aus dem Vrinzipe der virtuellen Geschwindigkeiten zu versuchen. Allein bei dem immer weitergreifenden Zurückgehen auf die Grundbegriffe konnte es nicht fehlen, daß sich außer den Mathematikern auch die Philosophen der einschlagenden Fragen bemächtigten. Die Ergebnisse dieser Mitarbeit, die sich nament— lich an den Leibnizschen Streit über die Art knüpfte, wie eigentlich die Erhaltung der Kraft zu denken sei, waren schon in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts an sich gering und wurden später um so geringer, je mehr den Philosophen jene mathematische Bildung zu fehlen begann, deren sie sich im 17. Jahrhundert noch fast ohne Ausnahme hatten rühmen können. Dennoch war das Eintreten der Philosophie in diese Er— örterung von wesentlicher Bedeutung. Wenn nämlich schon die weitere Entwicklung der Infinitesimalmethode über das bloße Gebiet der empirischen Mechanik hinauszuweisen begann, so wurde eine Richtung des Denkens in diesem Sinne durch die philo⸗ sophischen Untersuchungen über den Ursprung der Erfahrung, wie sie durch Kant einen gewissen Abschluß erhielten, sehr be— günstigt. In der Tat entwickelte sich, wie eine reine Mathe⸗ matik entstanden war!, eine reine Mechanik als Lehre von S. Bd. VI. S. 146.