Weitere Entwicklung des Intellektualismus. 77 denn er entnahm die Gesetze der planetarischen Laufbahnen erst nach sehr genauer Beobachtung den mannigfachen Berechnungen der Möglichkeiten, die nach dem Charakter der beobachteten Er⸗ scheinungen in Betracht kamen. Ein ganz entschiedener Umschwung aber zugunsten einer wesentlich induktiven Methode begann doch erst durch die Ent— wicklung der Dynamik einzutreten, die neben allen Berech⸗ nungen vornehmlich mit auf Experimenten beruht. Hatte hier Galilei die Gesetze der irdischen Wurfparabel ge⸗ funden und die Entstehung der Kurve aus dem Ineinander⸗ wirken des Beharrungsvermögens des vorwärts getriebenen Körpers und der Anziehungskraft der Erde erklärt, und hatte weiter Huyghens die ersten Theorien der Zentralbewegung um einen festen Punkt entwickelt, so lag es nahe genug, diese für die irdische Welt aufgestellten Gesetze auch auf die kosmischen Vorgänge anzuwenden. In der Tat hat auch schon Huyghens in diesem Sinne gearbeitet. Allein ein Hindernis, das einen raschen Fortschritt auszuschließen schien, trat doch noch ein, trotz der Tatsache, daß schon Kepler die Gesetze der kosmischen Kurven aufgestellt hatte. Wollte man nämlich ganz sicher gehen, so mußte erst der Galileische Fall der Wurfparabel verallgemeinert und in dieser verallgemeinerten Form mit der Huyghensschen Theorie der Zentralbewegung in Zusammenhang gebracht werden: mußte mit anderen Worten eine Theorie auf⸗ gestellt werden derjenigen krummlinigen Bewegungen, welche entstehen, wenn sich die Beharrungsgeschwindigkeit irgendeines Körpers mit den Wirkungen der Anziehungskraft, also den Wirkungen des freien Falles kombiniert. Es war eine Auf⸗ gabe, die nur mit den Mitteln der Infinitefimalrechnung glatt gelöft werden konnte. Und so hat sich denn ihrer erst einer der Erfinder dieser Rechnung, Newton, mit Erfolg annehmen können. Im Jahre 1687 erschien Newtons Buch „Philosophiae naturalis principia mathematica“. Es stellte die gewünschte Theorie der krummlinigen Bewegungen auf; es entnahm den Forschungen Keplers den Nachweis, daß diese krummlinigen