394 Zwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. zu den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts, erreichte sie in dem Energiegesetz und in der Darwinschen Übertragung auf die Probleme der Biologie den wahrscheinlich höchsten Gipfel ihrer Vollendung. Denn inzwischen hat mit Reizsamkeit, modernem Sturm und Drang und idealistisch-religiösen Neigungen jüngster Tage eine zweite Periode des Subjektivismus eingesetzt, und sie wird eine in der Richtung der alten Naturwissenschaft ver— laufende, nur intellektuell weit geklärtere Naturwissenschaft ent— falten, wie die erste ihren enthusiastischen Naturalismus gehabt hat. Läßt sich das aber heute auch schon mit Bestimmtheit voraussagen, so bleibt daneben dennoch unwidersprochen, daß die mechanische Naturwissenschaft bis auf unsere Tage die ungeheuersten Wirkungen ausgeübt hat und sie noch eben in diesen Tagen ausübt, und zwar auf allen Gebieten, denen des Werkdaseins wie der höchsten geistigen Fragen: recht eigentlich in diesem Zeichen lebt das individualistische Seelenleben, wenn auch natur— gemäß mannigfach verändert, am gewaltigsten fort. Aber selbst von der einstigen sozialen und im weiteren Sinne wirtschaftlichen Grundlage dieses Lebens gehen noch heute Wirkungen aus. Freilich, wie es mit der Nachwirkung sozialer und materieller Gebilde zu gehen pflegt, nicht in den Stromhöhen des neuen Lebens, nicht unter den neuen, den führenden Schichten, sondern in den Tiefen früher gewordener volkstümlich-sozialer Zusammenhänge. Sozialer Träger der abflauenden Kultur des Individua— lismus, die wir im Verlaufe der letzten Abschnitte unserer Erzäh— lung vornehmlich verfolgt haben, war das aristokratische Bürger— tum der etwa zwei Menfchenalter je vor und nach 1700 gewesen. Eine merkwürdige soziale Bildung, von der an späterer Stelle gelegentlich der Entwicklungsgeschichte der bürgerlichen Gesellschaft von etwa 1650 bis 1800 noch in anderem Zusammenhange zu sprechen sein wird. Frühester aristokratischer Ausdruck eines langsam emporkommenden modernen deutschen Bürgertums, das mit den großen städtischen Gesellschaftsbildungen des Mittel—- alters kaum irgendwelche innigeren Beziehungen aufwies, hatte dies Patriziat, an Zahl seiner Mitglieder nicht allzu groß, zunächst