122 Einundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel. zessiren, indem diese denen legibus privatorum persopalibus nicht unterworfen, sondern allein Gott in ihren Handlungen Rechenschaft geben müssen; hiernächst eine Concubins etwas von dem Splendeur ihres Amandus zu überkommen scheint.“ Aber noch Friedrich der Große hat über Liebesaffären fürstlicher Personen nach heutigen Begriffen skandalös gedacht, so sehr er gerade die Form der Mätressenwirtschaft verdammte. Kann man es unter diesen Umständen den adligen und hochadligen Kreisen um 1700 als persönliche Schande anrechnen, wenn sie es für eine besondere Ehre hielten, Mätressen zu liefern? Dabei hatte dies ganze Wesen in die ersten Generationen um 1700, und teilweise noch bis zur Mitte des 18. Jahr⸗ hunderts, etwas verhältnismäßig Frohes, Unerschöpfliches, ja ge— legentlich Ritterliches. Später dagegen sank es auch äußerlich ganz ins Frivole und Gemeine. Und mit ihm die Träger des Systems. Viele der jungen Fürsten, die nun Herrscher wurden, hatten vor allem nichts gelernt; was klagt Friedrich der Große nicht über die Ignoranceé seiner Kollegen! In ihren Bildungsjahren in nicht geringer Zahl der mephitischen Wollust des verfallenden Ver— sailler Hofes ausgesetzt, suchten sie dessen bloßes Scheinwesen mit germanischer Plumpheit, und daher gänzlich erfolglos auf Deutschland zu übertragen. So verlor sich denn auch, was noch Zierde der älteren Geschlechter gewesen war: der Sinn für feinere Kunst, das Wohlwollen eines kundigen Mäcenats, der Gedanke überhaupt der Würde und des Anstands. Die Zeiten der kleinen Sultane wuchsen sich aus, die Zeiten der Theater- und Balletharems, die Zeiten des Bewußtseins des Unrechts, das man tat, und seiner Bemäntelung, die Zeiten der Zurückgezogenheit von der Kanaille, dem Volke: die Jahre Karl Alberts von Bayern, Karl Eugens von Württemberg, Karl Theodors von der Pfalz. Aber schon war damals die Hilfe aus dem Stande der Herrscher selbst gekommen: es waren zugleich die Anfangs— jahre Friedrichs des Großen und Marig Theresias. Maria Theresia, dieser größte Sproß des Hauses Habsburg, war eine echt deutsche Frau und hat, wie übrigens fast alle anderen