426 Einundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel⸗ kaufte, und England jedermann, der die Vergrößerung Hannovers und die Fernhaltung der Stuarts gewährleistete. Es ist die Zeit, deren Politik Heinrich Leo in einer Periode deutscher Geschichtschreibung, die moralische und höhere intellektuelle Maßstäbe des Beurteilers zuließ, als vom lebendigen Atem des Geiftes verlassen gebrandmarkt hat: die Zeit, da Kriege besten⸗ falls wirtschaftliche Ursachen hatten: die Zeit eines extremen rein rationalistischen Individualismus. Aber wir werden sehen, wie schon seit der Mitte des 18. Jahrhunderts ein anderer Geist diesem nacktesten aller Egoismen entgegentritt. Da wagte sich in Deutschland hinweg über allen Partikularismus leise der nationale Gedanke hervor und mit ihm ein scharfes Element politischer Versittlichung; man empfand es in diesem Sinne als traurig, daß Preußen und sterreich durch die schlesischen Kämpfe zu europäischen, in deutschem Sinne gegnerischen Großmächten auswuchsen; darunter leide die Vaterlandsliebe: der böhmische Graf, meint 3. B. Karl Friedrich von Moser, suche sein deutsches Vaterland jetzt in Wien, während der brandenburgische Edelmann den Hut in die Stirn drücke und von einem deutschen Vaterlande überhaupt nichts wissen wolle. Es war der' Zug natio— naler Gemeinsamkeiten, der mit dem Emporkommen des Zeit— alters des Subjektivismus die Welt zu durchfegen begann; und in den Wettern der französischen Revolution und der Freiheitskriege hat er diese Welt von den Miasmen ver— fallender individualistischer Politik zum guten Teile gereinigt!. II. Fassen wir nach diesem Überblicke, der uns im folgenden zahlreiche Einzelbetrachtungen ersparen wird, den Verlauf der politischen Geschichte selbst in der zweiten Hälfte des 17. Jahr— hunderts wie im 18. Jahrhundert ins Auge, so ergibt sich als erster Eindruck eine Bestätigung des schon eingeführten Unter— schiedes der Politik innerhalb des Reiches und außerhalb seiner Grenzen. Die politischen Bewegungen im Innern sind verhältnis— über diese Dinge wird im neunten Bande eingehender zu sprechen sein.