440 Einundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel. in den ersten Zeiten des 17. Jahrhunderts, wie erzählt, von der Wassergrenze zurücktreiben müssen. Inzwischen war aber das russische Reich unter der natio⸗ nalen Herrschaft der Romanows in raschem Erstarken begriffen gewesen; und es war natürlich, daß die innere Kraft sich in Kriegen nach dem westlichen Europa zu entlud. Dabei bot zunächst Polen, das unter dem letzten katholischen Wasa Johann Kasimir zu der sprichwörtlichen Adelsrepublik späterer Zeiten, dem Staate des liberum veto, zu werden begann, die beste Seite zum Angriff. Im Jahre 1654 erklärte der Zar Alexei Michailowitsch den Polen den Krieg. Und in raschem Sieges— zuge nahm er in Weißrußland Smolensk, vor allem aber die Düna abwärts Witebsk und Polozk: gegen Ende des Jahres konnte es scheinen, als ob ihm im weiteren Verlaufe die Ein— nahme von Dünaburg und die schließliche Eroberung Rigas gelingen würde: womit der Zugang zur See im engeren Ge⸗ biete der schwedischen Machtsphäre erreicht gewesen wäre. Für Schweden aber war es um diese Zeit schon keine Frage mehr, ob man zur Vereitlung einer solchen Aussicht zu Felde ziehen sollte oder nicht. Die inneren, wenig befriedigenden Verhältnisse des Landes drängten zum Kriege; und im Reichs— rate scheint man früher zu diesem überhaupt als zum Feldzuge gegen einen bestimmten Gegner entschlossen gewesen zu sein. Doch lag trotz der russischen Angriffe der Kampf gegen Polen am nächsten und wurde zunächst auch gewählt: dynastische Streitig— keiten zwischen Johann Kasimir und dem Schwedenkönig Karl Gustav ergaben einen triftigen Anlaß, und das Angriffsobjekt war das am leichtesten zu überwältigende von allen. Freilich: indem man Polen angriff, glaubte man nach dessen Über— windung vor allem auch Rußland in den Arm fallen zu können. Ende Juni 1656 drang eine erste, kleinere schwedische Armee von Livland aus die Düng aufwärts und nahm Dünaburg: so schien man vor einer Dazwischenkunft russischer Angriffe ge⸗— sichert. Ein erster Hauptangriff aber wurde von ganz anderer Seite, von Pommern her unternommen. Mit vollkommenstem Erfolge. Bei Uscie wurde das Aufgebot der großpolnischen