Deutschland unter den polit. Nachwirkungen des Dreißigjähr. Krieges. 445 burgischen Preußen rotteten sich Edelleute unter der Führung von Kalcksteins zu landesverräterischen Plänen zusammen. Sollte Schweden nicht der letzte Freund verloren gehen, so bedurfte es jetzt starken Entgegenkommens gegen Branden— burg. Am 20. November wurde der Vertrag von Labiau unterzeichnet. Er sah ab von weiteren Verteilungen einer polnischen Kriegsbeute, deren Erwerb doch nur in großer Ferne zu liegen schien; dafür verbürgte er dem Kurfürsten nun wenigstens von schwedischer Seite her den greifbaren, schon so lange gewünschten Vorteil der preußischen Souveränität und damit zugleich der selbständigen Erhebung der Seezölle. Freilich waren deren Einnahmen durch eine einmalige Ab— zahlung von Schweden gleichsam abzulösen; auch blieb der Ver— zicht auf eine brandenburgische Kriegsflotte der Ostsee in Kraft. Unterdessen währte der Krieg nun schon in das dritte Jahr. Und jetzt hatte Karl Gustav einen neuen Gegner gegen Polen mobil gemacht: den Fürsten Georg Rakoczy von Sieben⸗ bürgen. Im Januar 1657 überzog der Fürst Polen von den Grenzen seines Landes her mit Krieg, und noch einmal wurde dadurch der Schauplatz des Kampfes nach dem oberen Polen berlegt. Denn Johann Kasimir eilte von Preußen nach Süden, und Karl Gustav drängte, auch durch eine kleine branden⸗ burgische Hilfstruppe unterstützt, auf seinen Spuren nach. Aber zum dritten Male blieben die weit ausholenden Schläge er— folglos. Rakoczy mußte ruhms und sieglos heimkehren, Karl Gustav verlor allmählich an Terrain und wurde vor allem durch zwei Ereignisse, die für ihn eine ganz neue Konstellation herstellten, aus dem Sattel gehoben. Sie führen nach Däne— mark und Osterreich, und sie bedeuten zugleich die größte Er— weiterung des Schauplatzes, welche diese nordischen Kämpfe erreicht haben. In Dänemark hatte König Friedrich den Krieg Schwedens gegen Polen von vornherein unter dem Gesichtspunkte be— trachtet, inwiefern er ihm ermöglichen würde, die alte über— legene oder wenigstens ebenbürtige Stellung Dänemarks gegen Schweden wieder herzustellen. Im Mai 1657 hielt er den Lamprecht, Deutsche Geschichte VII. 2. 29