Deutschland uuter den polit. Nachwirkungen des Dreißigjähr. Krieges. 449 Niederlande im Ostseegebiete, mit seinen Absichten noch klug zurückhielt. Es war im ganzen eine gespannte Lage. Gelöst wurde sie, vielen unerwartet, durch einen erneuten Angriff Karl Gustavs auf Dänemark. Eine fast für das ganze 17. Jahrhundert be— zeichnende Tatsache der schwedischen Entwicklung offenbarte sich hier vielleicht am entschiedensten: das Land konnte die ein— mal aufgestellte Armee daheim nicht bergen; es bedurfte des Krieges. Und so stürzte sich der Schwedenkönig, unter der Beschuldigung, Dänemark führe die Friedensbestimmungen von Roeskilde ungenügend aus, nochmals auf das nordische Bruderland. Aber es erging ihm wie bei seinem zweiten Feldzuge in Polen. Ganz anders wurde er empfangen als beim erstenmal, nun er nicht mehr mit der Gewalt der Überraschung wirkte. Der Versuch einer Überrumpelung Kopenhagens, August 1658, schlug fehl und verwandelte sich in die Schwierigkeiten einer langen Belagerung. Und jetzt griffen auch die Niederlande ein: was schon lange drohte, wurde zur Tat, die nordischen Kämpfe führten zu einer immer allgemeineren, europäischen Konflagration. Eine niederländische Flotte, mit der dänischen vereint, schlug die schwedischen Schiffe in einer schweren Schlacht im Sunde. Ja mehr noch: inzwischen hatte sich auch die polnisch⸗ brandenburgisch-österreichische Koalition in Bewegung gesetzt. Osterreicher unter Montecuccoli, Polen unter Czarniecki, das Ganze und Brandenburger zugleich unter dem Befehle des Großen Kurfürsten waren in Holstein eingefallen, hatten Fride⸗ ricia passiert und nahmen jetzt, vor Jahresschluß, auch noch die Insel Alsen ein: eine kräftige Flankenstellung gegenüber den schwedischen Operationen auf Seeland war gewonnen. Unter diesen Umständen blieb Karl Gustav nichts mehr übrig, als alles auf eine Karte zu setzen: am 20. Februar 1659 versuchte er einen tollkuhnen Sturm auf Kopenhagen — und scheiterte. So schien sein Schicksal besiegelt, — als sich der immer mehr