Deutschland unter den polit. Nachwirkungen des Dreißigjähr. Krieges. 457 schen Nordosten über? Wir werden bald sehen, in wie hohem Maße das der Fall war. Der Zwist des Großen Kurfürsten mit dem Düsseldorfer Pfälzer Philipp Wilhelm hatte aber zugleich auch den Südosten in die Lage hineingezogen. Da sich nämlich die beiden Parteien nicht bis zum Unterliegen der einen oder der anderen maßen, so ordneten sie sich schließ— lich der gern gewährten Entscheidung des Kaisers unter, und sterreichs Ansehen am Niederrhein wuchs dadurch beträchtlich. Und wenn mit alledem nun wenigstens die Summe der Gegensätze am Ober- und Niederrhein erschöpft gewesen wäre! Aber über all der schon erwähnten Materie des Zwistes schwebte schließlich noch, wenn auch sich immer mehr zerteilend, die Wolke der großen konfessionellen Gegensätze, in welchen sich die Generalstaaten und der Brandenburger Kurfürst wie ge— wisse Reichsstände des Oberrheins auf die eine, der Kaiser, Frankreich, Spanien und der pfälzische Neuburger von Jülich— Berg auf die andere Seite gestellt sahen. Es war ein Gegensatz, der natürlich auch die zahlreichen Länder des mittleren Rheines mit ihren nächsten östlichen Hinterländern vom Kölner Kurfürstentum bis hinauf zur pfälzer Grenze des Elsasses beherrschte. Aber auf diesem Ge— biete, dessen näherer Betrachtung wir uns jetzt zuwenden, hatte doch die eiserne Not des Krieges wie die Furcht, der Frieden möchte nicht von allzulanger Dauer sein und ein neuer Krieg könne die teuer erkaufte Souveränität der kleinen und mittleren Häuser verschlingen, rasch zu politischen Bünden auch kon⸗ fessionell gegnerischer Fürsten geführt. Es ist das früheste Land jener Vereine zur Verteidigung des Friedens, von denen schon früher erzählt worden ist ĩ. Jetzt aber machte wenigstens eine dieser Verbindungen, der Keimverband des späteren sogenannten Rheinbundes, seit der Mitte der fünfziger Jahre wichtige Forcchritte. Schon im März 1651 war das sogenannte kurrheinische Bündnis abgeschlossen worden, an dessen Spitze Kurmainz stand; S. Band VI i-2, S. 865 ff.