466 Einundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel. zösischen Thron sein Land für den Fall seines Todes an Frank— reich aufzutragen: ein Löwenvertrag, gegen den sich der Herzog freilich später verwahrt hatte. Aber was half ihm der Protest? Um so eher benutzte Ludwig nach Beendigung des Devolutions⸗ krieges die Gelegenheit, Lothringen durch den Marschall Crequi besetzen zu lassen: und von da ab hat es Frankreich bis zum Frieden von Rijswijk im Jahre 1697 behalten. Es war mehr als eine Generation hindurch: Zeit genug, daß sich das loth— ringische Fuürstengeschlecht an ganz andere Verhältnisse, an den Dienst des Hauses Österreich gewöhnte: bis ein Urenkel Karls IV. Gemahl Maria Theresias und damit Ahnherr des heutigen lothringisch-habsburgischen Kaiserhauses wurde. War es aber denkbar, daß sich die deutschen Fürsten wie die benachbarten europäischen Mächte diese Übergriffe Frank— reichs so widerstandslos gefallen ließen? Vor allem mußten sich durch die Ergebnisse des Devolutionskrieges wie später durch den Erwerb Lothringens, der einen eventuellen Einbruch — 0 leichterte, die Generalstaaten bedroht fühlen. Und so wurden sie schon unmittelbar nach dem Aachener Frieden ebenso das Zentrum des Widerstandes gegen Frankreich, wie sie ihm schon durch diesen Frieden in den Arm gefallen waren. Mit wem nicht haben sie damals wegen des Eintrittes in eine anti— französische Koalition verhandelt; mit Spanien, mit den Eid— genossen, mit deutschen Fürsten, mit Schweden! Aber der Er— folg blieb im ganzen aus. Zwar trat Schweden ihrem mit England bestehenden Bunde, dem es schon länger nahe gestanden hatte, nun auch formell bei; und im Jahre 1670 ist dies System einer Tripleallianz in besonderen Verhandlungen noch— mals erneuert worden. Aber schon daß sich diese formelle Erneuerung als nötig erwies, war charakteristisch; der innere Halt fehlte, und aus der Fürstenwelt des deutschen Reiches suchte niederländischen Schutz doch nur der, der am meisten hedroht war: der Herzog von Lothringen. Im Grunde trugen dabei die Niederlande selbst an ihrem Mißerfolge die Schuld. Wir haben schon früher kennen ge—