Deutschland unter den polit. Nachwirkungen des Dreißigjähr. Krieges. 469 zweiten Treffen, traten die Fürsten des Welfenhauses, unter ihnen namentlich der Bischof Herzog Ernst August von Osna⸗ brück, auf die französische Seite. Schließlich aber konnte sich auch ein bisher zurückhaltender Fürst an wichtiger Stelle in der Front, der Neuburger Pfalzgraf Philipp Wilhelm in Jülich und Berg, französischem Einflusse nicht entziehen und willigte am 7. Juli 1672 in einen Neutralitätsvertrag. Im deutschen Süden war es für den nächsten Zweck vielleicht nicht so wichtig, Bundesgenossen zu werben. Allein da der Kurfürst von Köln ein Wittelsbacher aus der bay⸗ rischen Linie war, so sorgte die französische Diplomatie auch hier vor. Den Pfälzer Kurfürsten, Karl Ludwig, brauchte sie nicht erst zu gewinnen, er war mit dem Hofe von Versailles verschwägert und erging sich in allerlei phantastischen Hoff⸗ nungen, wie er von diesem gefördert werden möchte. Um so wichtiger war Bayern. Aber auch hier gelang es schon im Februar 1670 Fuß zu fassen; weitaussehende Pläne, die auf ein künftiges Kaisertum König Ludwigs und auf ein römisches Königtum der bayrischen Kurlinie hinausliefen, wurden ge—⸗ ichmiedet; und später verstand sich der Kurfürst, im Bereiche näherer Sorgen, zu dem Versprechen, Kurköln gegen einen etwa erfolgenden niederländischen Angriff zu verteidigen. Den Schluß des ganzen diplomatischen Aufmarsches der Franzosen im Reiche aber bildete in gewissem Sinne die Ein— beziehung des Kaifers. Auch er ließ sich, in einem Geheim— vertrage vom 1. November 1771, wenigstens zum Versprechen der Neutralität in dem kommenden Kampfe bewegen — daneben verpflichteten sich beide Paziszenten zur beiderseitigen Garantie des Westfälischen und des Aachener Friedens! So fehlte in dem französischen System eigentlich nur noch ein wichtiger deutscher Fürst: der Kurfürst von Brandenburg. Aber Ludwig schien zu glauben, auch ihn schon längst ge— wonnen zu haben. Am 31. Dezember 1669 war zwischen ihm ind dem Kurfürsten ein Ver trag abgeschlossen worden, wonach ieser, für den Fall eines Krieges von Frankreich gegen die süd— lichen Niederlande nach dem Tode König Karls II. von