Deutschland unter den polit. Nachwirkungen des Dreißigjähr. Krieges. 491 sondern auch eine raffinierte Bestechungsdiplomatie erlauben, auf der anderen Seite die armen deutschen Fürsten, gerade wenn sie tüchtig sind, mit Machtaspirationen, die nur durch Haltung eines ständigen Heeres befriedigt werden können: und der Bestand dieses Heeres doch wieder abhängig von Kondottiere— diensten gegenüber Frankreich. Wie sollte in dieser Lage eine große Politik möglich sein, die zugleich ehrlich war? Wie die Kriege zwischen den europäischen Staaten des 17. und 18. Jahr⸗ hunderts das Bild der territorialen Machtkämpfe des 14. und und 15. Jahrhunderts in Italien oder in Deutschland gleichsam in größerem Maßstabe wiederaufleben lassen, so erinnert die Politik dieser Zeiten an den Principe Macchiavells, und nicht ohne lebendigen Hintergrund hat der Urenkel des Großen Kurfürsten, der jugendliche Friedrich der Große, seinen Aunti— macchiavell geschrieben. Indem der Große Kurfürst so hartnäckig zu Frankreich hielt, wurde diesem die Möglichkeit gegeben, dem kaiserlichen Bunde einen nicht zu unterschätzenden Gegenbund gegenüber⸗ zustellen; am 30. April 1683 kam es zu einer Allianz zwischen Brandenburg, Dänemark und Frankreich, in der es für den kriegsfall namentlich auf die deutschen Besitzungen Schwedens abgesehen war, das dem kaiserlichen Bunde angehörte. Und damit nicht genug. Da sterreich in dieser Zeit, wie wir später hören werden, im Osten mit dem Widerstande gegen die Türken vollauf beschäftigt war — das Jahr 16883 ist das Jahr der Belagerung Wiens —, so nutzte Frankreich die günstige Situation nochmals zu einem erneuten letzten Schlage im deutschen Westen aus. Ende Oktober 1688 erklärte es dem ohnmächtigen Spanien wieder einmal den Krieg; im Frühjahr 1684 begann der Marschall Crequi die Belagerung Luxemburgs, nachdem er im Februar mit dem Großen Kurfürsten einen vierten Vertrag abgeschlossen hatte, der dessen Subsidien um 100 000 Livres im Frieden und 200000 Livres im Kriege er⸗ höhte. Am 4. Juni 1684 fiel Luxemburg, worauf Crequi auch Trier nahm; alles sah nach einem kommenden großen Kriege aus; drohend sammelten sich franzbsische Kriegsscharen in Lothringen und im Elsaß.