Deutschland unter den polit. Nachwirkungen des Dreißigjähr. Krieges. 495 unbedenklichen Schritte. Dem Kurfürsten wurde Schwiebus vertragsmäßig abgegeben, vorher aber insgeheim mit dem Kurprinzen die Rückabtretung des Kreises nach seiner Thron⸗ besteigung gegen sofortige Zahlung von 10 000 Dukaten ver— abredet. Der Vertrag selbst ist am 22. März 1686 in Form eines zwanzigjährigen Defensivbündnisses zustande gekommen. Außer der Stipulation über Schwiebus und dem Verzichte des Kurfürsten auf die schlesischen Fürstentümer als deren Korrelat und einigen anderen besonderen Bedingungen ent— hielt er die Verpflichtung beider Vertragschließenden, gegen jede weitere Vergewaltigung des Reiches durch Frankreich zusammenzustehen, sowie das Versprechen des Kurfürsten, bei einer künftigen Kaiserwahl für das Haus ÄÖsterreich einzustehen und zur Verteidigung der spanischen Niederlande bereit zu sein. Die dem Kurfürsten vom Kaiser bewilligten Subsidien betrugen jährlich 100000 Gulden in Friedenss und 100000 Reichstaler in Kriegszeit. Es war die letzte wichtige diplomatische Aktion des Großen Kurfürsten; sie hatte zu einem Vertrage geführt, der gegen vier Jahrzehnte das Verhältnis Brandenburgs zum Kaiser—⸗ hause und bis zu einem gewissen Grade auch zum Reiche ge— regelt hat. Ihre vollen Folgen, den Ausbruch des großen Kampfes gegen Frankreich, noch zu erleben, ist Friedrich Wilhelm nicht mehr vergönnt gewesen; noch bis zu seinen letzten Lebens— tagen kräftig im Regiment, wenn auch am Leibe schwach, ist er am 9. Mai 1688 dahingegangen. Inzwischen hatten aber die neuen Angriffe Ludwigs XIV. auch im Reiche überhaupt zu einer, wenigstens der Absicht nach, kräftigen Gegenorganisation geführt. Hier war das Laxenburger Bündnis vom Jahre 1682, auf drei Jahre ge— schlossen, seinerzeit, im Jahre 16885, nicht erneuert worden. Statt dessen gingen neue Anregungen zur gegenseitigen Allianz von Reichsständen zunächst vom fränkischen Kreise aus. Sehr bald nahm sich der Kaiser ihrer an; und nun machten sie rasche Fortschritte. Am 9. Juli 1686 wurde ein Buud zwischen dem Kaiser, dem fränkischen und bayrischen Kreise, 39*