Türkenkriege u. spanischer Erbfolgekrieg; Osterreich europ. Großmacht. 541 siebenbürgische Fürst, Georg Rakoczy II., hineinziehen lassen; er hatte Krakau eingenommen; er näherte sich Warschau und führte damit noch einmal eine Verlegung des schwedisch⸗ polnischen Kriegsschauplatzes nach Oberpolen herbei!. Dies alles gegen den Willen des Kaisers, der es mit den Polen hielt, und nicht minder gegen den seines türkischen Oberherrn, des Sultans Mohammed. Und er hatte bei seiner Unternehmung schließlich kein Glück. Elend wurde er zurückgeschlagen, während sich Karl Gustav von Schweden, nun zum letzten Male, energisch nach Norden gedrängt sah. Unter diesen Umständen hielt es der Sultan für angemessen, mit dem unbotmäßigen Vasallen abzurechnen; er erklärte ihn für abgesetzt, warf seine Ge— sandten in die Sieben Türme, ließ schließlich ein Heer gegen ihn marschieren, das die Siebenbürger bei Klausenburg am 22. Mai 1660 vernichtete, und nahm nach Rakoczys Tode Großwardein ein, in der Absicht, Siebenbürgen nunmehr in die Stellung eines einfachen Paschaliks hinabzudrücken. Es waren Vorgänge, die der Kaiser natürlich nicht ohne Gegenwirkung hingehen lassen konnte. Schon vor Klausenburg war er in Konstantinopel für Rakoczy eingetreten; jetzt pro— testierte er gegen die administrative Einverleibung Sieben⸗ bürgens. Das bedeutete den Krieg, und schon im Jahre 1661 er— schienen kaiserliche Truppen auf ungarisch-türkischem Gebiete. Indes erst langsam kam der Feldzug in Gang, und im Grunde begann er sogar erst mit dem Vordringen eines Janitscharen— heeres unter dem Großvezier Achmed Köprili im Frühjahr 1663. Dieser Verzug war ein Glück für den Kaiser. Denn nur sehr langsam war es ihm inzwischen gelungen, eine wirkliche Armee aufzustellen: etwa 12000 Kaiserliche und 15 000 Ungarn an der Donau unter Montecuccoli, daneben ein kleines Heer in Mähren zum Schutze der ungarisch-mährischen Karpathen— pässe unter De Souches: das war alles, was jeht gegen die etwa 100000 Mann des Veziers zur Verfugung stand Bgl. oben S. 445. Lamprecht, Deutsche Geschichte. VII. 2.