—542 Einundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel. Ratürlich ließ sich damit nur in der Defensive handeln. Aber es gelang so immerhin, Wien und die obere Donaulinie zu schützen; und schwärmten dafür die Türken ziemlich ungehindert nach Mähren hinein bis Brünn und Olmütz, so wurde auch dieser Richtung des Vormarsches durch die tapfere Verteidigung der Festung Neuhäusel an der Neutra vorgebaut. Freilich: eins war klar, kam nicht bald Hilfe vom Reiche, so mochte in dem Feldzuge eines nächsten Jahres die kaiserliche Armee allein, selbst wenn verstärkt, schwerlich imstande sein, dem Andrange der Türken noch länger zu widerstehen. Nun war der Reichstag schon zum 8. Juni 1662 durch Kaiser Leopold berufen worden, und am 20. Januar 1663 hatte man ihn auch förmlich eröffnet. Indes wie wenig rührte ihn einstweilen die Türkennot! Er begann die Erörterung weitläufiger Fragen künftiger Wahlkapitulationen, obwohl doch der Kaiser noch jung und noch nicht lange gewählt war — und obwohl durch die Nation eine sichtbare Erregung, etwas von der Türkenzugs-, ja der Kreuzzugsbegeisterung früherer Tage ging. Es bedurfte erst der Ankunft des Kaisers selbst zu Regensburg im Dezember 1663, zugleich mit der Ankunft zahlreicher Fürsten, um die Frage der Türkennot in Fluß zu bringen. Und erst im Februar 1664 wurde das Reich schlüssig, ein Triplum der Reichsmatrikel, in Wirklichkeit kaum mehr als eine kleine Armee von 20000 Mann, auf die Beine zu bringen; den obersten Befehl übernahm Markgraf Leopold Wilhelm von Baden. Inzwischen aber hatte der Kaiser seine eigene Armee auf etwa 36 000 Mann zu Fuß und 11000 zu Roß gebracht; und auch von manch andrer Seite her waren Hilfstruppen in Marsch gesetzt worden. Da kamen jetzt die Brandenburger mit 2300 Reitern und Fußgängern, nicht minder ließen sich Sachsen und Bayern sehen; das Merkwürdigste aber war eine nicht unbedeutende Armee des Rheinbundes, der damals schon ganz in französischer Bevormundung stand, und in ihr eine be— trächtliche Anzahl von Franzosen, die sich, sehr zum Verdrusse Ludwigs XIV., der Gesta Dei per Francos erinnert hatten: