Türkenkriege u. spanischer Erbfolgekrieg; Osterreich europ. Großmacht. 543 das alles unter dem Kommando eines Grafen von Coligny, etwa 7—8000 Mann. Diese Massen nun, Kaiserliche, armierte Stände- und Reichstruppen und Franzosen, haben im Jahre 1664 nicht unrühmlich gekämpft; sie siegten bei Lewenz an der Gran, am 19. Juli, und sie hielten auch in der Schlacht von St. Gott— hard an der Raab tapfer stand, nicht so sehr weit östlich von Graz, am 1. August 1664. Um so größer war das Erstaunen, als man, übrigens erst — darauf, am 10. August, einen zwanzigjährigen Waffenstillstand mit den Türken geschlossen habe. Was war geschehen? Es hatte sich gezeigt, daß alle militärischen Erfolge schwerlich zu dauernden Ergebnissen führen würden, solange der Kaiser nicht der Treue des ungarischen Adels in den ihm zugehörigen Grenz⸗ gebieten des Landes sicher war. Und eben au dieser Treue fehlte es. So schloß der Kaiser zu Vasvar mit den Türken, für diese günstig genug, ab, um zunächst die ungarische Operationslinie künftiger Kriege politisch sicherzustellen: Sieben— bürgen wurde den Türken so gut wie vollständig preisgegeben, nicht minder behielten diese die eroberten Festungen Groß—⸗ wardein und Neuhäusel; an Stelle Neuhäusels, des Zentrums der kaiserlichen Kriegsverwaltung, sollte dem Kaiser freistehen im Waagtale an der wichtigsten Stelle der Angriffsfront gegen die Türken eine andere Festung anzulegen. In den darauffolgenden Jahren aber hatten die Türken auch gegenüber Venedig Erfolge. Der venetianisch-türkische Krieg, der sich nun schon an die wanzig Jahr hinschleppte, bietet weniger wegen seines Ver⸗ laufes im einzelnen als wegen der mit ihm verknüpften Probleme allgemeiner europäischer Politik ein hohes Interesse. Denn mehr, als einstweilen in den österreichischen Türkenkriegen, kam in ihm zum Ausdruck, daß es sich hier um das Ringen sehr verschiedenartiger Mächte, ja Kulturen, um eine Phase der allgemeinen Beziehungen zwischen Orient und Okzident handelte. Von den Zeiten her, da die Kreuzzüge mit der Erzwingung 35 *