346 Einundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel. ungünstig; und so war es denn doch die Frage, ob sie sich nicht, bei ihren militärischen Einrichtungen auf kriegerischen Angriff!!der Nachbaren beinahe angewiesen, nun von neuem auf Hsterreich und dessen schwaches ungarisches Vorland stürzen würden. Und alles, was inzwischen im habsburgischen Ungarn, diesem einstweilen zentralen Punkte der Beziehungen zwischen Orient und Okzident, geschehen war, mußte sie zur Bejahung dieser Frage veranlassen. Aus den Schwierigkeiten, die der ungarische Adel dem Hause Habsburg schon seit Ende der sechziger Jahre bereitete, hatte sich im Jahre 1670 mit französischer Hilfe dunkel und gefahrvoll die Magnatenverschwörung der Grafen Zrinyi und NRadasdy erhoben, um allmählich unter Teilnahme des niederen Volkes und der Heiducken von den grauenvollen Jahren des Kuruzzenaufstandes abgelöst zu werden. Es war ein Kampf schließlich zwischen Deutsch und Magyarisch, im Bereiche — D000 Ansprüchen absolutistischen Königtums, auf konfessionellem Gebiete zwischen Protestantismus und jesuitischer Gegen— reformation. Und nicht unter den nächsten Gegnern allein wurde er ausgefochten. Polen verhielt sich zu den Magyaren mindestens wohlwollend neutral; und als sich aus dem Durch— einander magyarischer demokratischer und aristokratischer Be— strebungen die Führerschaft des Grafen Emmerich Tököly er⸗ hob, der sich Fürst von Ungarn nannte, verdichtete sich, Mai 1677, die alte französische Unterstützung sogar zu einem offenen Bündnis; Tököly hat Münzen schlagen lassen, auf denen Ludwig XIV. Protector Hungariae genannt ist. Was aber dielleicht am bedenklichsten war: der in Siebenbürgen als türkischer Lehensträger herrschende Fürst Apaffy, ein Magyar, war längst mit den Magnaten des habsburgischen Oberungarns in engste Verbindung getreten, und der Aufstand hatte sich zu einer ungarisch-siebenbürgischen Erhebung erweitert. Konnte da nicht jeder Eingriff des Kaisers schon an sich türkischen Einspruch hervorrufen?