Türkenkriege u. spanischer Erbfolgekrieg; Osterreich europ. Großmacht. 347 Die Verhältnisse lagen Anfang der achtziger Jahre, nach dem türkisch-russischen Frieden von Radzyn, derart, daß die Türken, nun frei, zudem begierig, ihre geringen Erfolge gegen Polen und Russen wett zu machen, sich fast unwillkürlich zu einem Feldzuge an der Donau gedrängt sehen mußten. Und der um diese Zeit führende Vezier, Kara Mustafa, war nicht der Mann, diese Gunst der Lage tatenlos zu verscherzen. Schon Ende 1682 wußte man in Wien, daß ein neuer Türkenkrieg unvermeidbar bevorstand, und daß die Kuruzzen— scharen Tökölys auf seiten der Türken fechten würden. Damit aber begann der Krieg eigentlich schon bei Preßburg, und Wien erschien fast unmittelbar bedroht. Standen da dem Kaiser die Mittel zur Beschwörung einer düsteren Zukunft voll zu Gebote? Er selbst war kaum mstande, aus seinen Erblanden ein 50 000 Mann übersteigendes Heer aufzustellen gegen die Hunderttausende, die man beim Feinde zu erwarten hatte, ungerechnet den Kampf gegen die irregulären magyarischen Scharen. So hieß es sich vor allem um Bundesgenossen umsehen. Und da waren denn einige Kreise und Stände im Reiche ohne viel Federlesens zur Unter— stützung bereit: so Max Emanuel von Bayern, der ganz von der universalen Bedeutung der Türkenkämpfe durchdrungen war, so der fränkische und oberrheinische Kreis, deren Völker, 3—-9000 Mann, im Sommer 1683 an der Donau eintrafen, so auch Kurfürst Johann Georg III. von Sachsen, obwohl es schien, als suche man in Wien ohne protestantische Hilfeleistung auszukommen. Neben den Deutschen aber gelang es in diesem Augenblicke wenigstens einen der traditionellen östlichen Gegner der Türken zu gewinnen, den katholischen, Polen. Dabei geschah es nicht ohne päpstlichen Einfluß, daß Johann Sobieski am 31. März 1683 jenes Bündnis mit dem Kaiser abschloß, das auf Zuzug von 40000 Polen gegen kaiserliche Subsidien— zahlung lautete, und dessen Folgen seinen Namen unsterblich gemacht haben. Inzwischen hatten die Magyaren schon im Jahre 1682 die Feindseligkeiten begonnen, unter leichten Erfolgen gegen