Türkenkriege u. spanischer Erbfolgekrieg; Osterreich europ. Großmacht. 579 Von diesem Standpunkte aus, mit der Absicht, diese Handelsfreiheit zu gewinnen und gewährleistet zu erhalten unter Ausschluß womöglich aller anderen Staaten und namentlich auch Frankreichs, wurde schließlich von ihnen der Krieg geführt. Man sieht, es waren Gesichtspunkte, die mit dem ursprünglichen dynastischen Inhalte der Zerwürfnisse, die den Krieg herbei⸗— geführt hatten, und gar den Bedürfnissen des deutschen Reiches und seiner Fürsten an der von Frankreich bedrohten West— grenze nur mittelbare Beziehungen hatten. Und diese Be— ziehungen wurden zuungunsten der Deutschen und damit auch Osterreichs nochmals verschlechtert durch den Umstand, daß Deutschland für die langwierigen Kämpfe zwar verhältnis⸗ mäßig weitaus das meiste Kriegsvolk, nicht aber die meisten Kriegsmittel gestellt hatte. Diese kamen vielmehr aus den Staaten des großen Handels und der Seegewalt; und fast schon aus diesem Grunde allein hatten diese, und zwar um so icherer, je länger der Krieg währte, den Entscheid über Krieg und Frieden in der Hand. Diese Lage hätte im ganzen wohl nur durch einen Interessengegensatz zwischen den Seemächten selbst verändert werden können. Aber an den gefährlichen Ausbruch eines solchen Gegensatzes war im ersten Jahrzehnt des 18. Jahr⸗ hunderts keineswegs mehr zu denken. Längst schon segelte in dieser Zeit das Staatsschiff der Niederlande im Schlepptau Englands; und eben die Besteigung des englischen Thrones durch einen Oranier hatte diese Tatsache ebenso herbeiführen helfen wie mildtätig verschleiert. Wie nunmehr, um 1710, die Dinge lagen, war England im Grunde allein der Herr der Lage. Und dabei wollten es die Interessen der herrschenden Schichten in England, des eben durch den Krieg empor— kommenden Unternehmertums in Industrie und Handel, daß der Kampf fortgesetzt werde! Es war das eigentliche Ge— heimnis, warum es Ludwig XIV. nicht gelang, Frieden zu erhalten. Was lag der in England regierenden Kaufmanns-— aristokratie der Whigs daran, daß die Völker des Kontinents ihr Blut verspritzten! Ihre Geschäfte nahmen während des