580 Einundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel. Krieges einen glänzenden Gang; sie waren auf diese Läufte eingerichtet; warum sollte man auf die gute Konjunktur ver— zichten. Unter diesen Umständen konnte der Umschwung schließlich nur aus einer Wandlung der inneren englischen Lage hervor— gehen. Und dies eben war es, was schon vor dem Jahre 1710 einzutreten begann. Die unterdrückten Schichten des ländlichen Adels und der agrarischen Interessenten überhaupt regten sich gegen die Herrschaft der neuen Unternehmungs⸗ reformen; die Wahlen zum Parlamente fielen toryistisch aus; die Königin, der Bevormundung des jungen Adels überdrüssig, empfand mit den kommenden Tories; es war wie ein Zeichen des Überganges, daß sie sich mit Lady Marlborough persönlich überwarf: der vollste Wechsel der Regierung trat ein, und die Revision der auswärtigen Politik kam auf die Tagesordnung. Nicht als ob man dabei die von den Whigs in blutigen Schlachten und mit schweren Opfern auch an Gut gesicherten Vorteile hätte aufgeben wollen. Aber man hielt jetzt die Zeit für gekommen, sie in dem erreichten Umfange, womöglich auch noch darüber hinaus, zu sichern. Es waren Friedensgedanken freilich gegenüber den Interessen der Großen Allianz sehr egoistischer Natur. Aber man zögerte nicht ihnen zu folgen; einseitig, geheim vor der Allianz begann man mit Frankreich zu verhandeln, nachdem man noch kurz zuvor, noch im whi⸗ gistischen Fahrwasser, Friedensanträge König Ludwigs XIV. auf Verhandlungen zu Gertruidenberg zum Scheitern gebracht hatte: im Januar 1711 erschienen die ersten englischen Unter— händler in Frankreich. Und es begreift sich, daß sie dort aicht ohne starke Hoffnungen empfangen wurden. Bald darauf aber trat auch auf der Gegenseite der See⸗ mächte innerhalb der Großen Allianz, in sterreich ein Er— eignis ein, das das Vorgehen Englands wenn auch nicht moralisch rechtfertigte, so doch tatsächlich mächtig zu fördern geeignet schien. Am 11. April 1711, mitten in der Blüte seiner Jahre, starb der energische Kaiser Joseph J. nach kurzer Krankheit an den Blattern, kinderlos. Das bedeutete die