Türkenkriege u. spanischer Erbfolgekrieg; Osterreich europ. Großmacht. 583 sein. So sollte denn das Gebiet der südlichen Niederlande an Österreich fallen und Max Emanuel durch ein weltverlorenes Königreich Sardinien entschädigt werden; die nördlichen Nieder— lande aber erhielten eine belgische Festungsbarriere gegen Frankreich und hatten sich wegen deren Einrichtung mit dem Kaiser auseinanderzusetzen: was eine ständige, für Frankreich und England gleich wohltätige Ohnmacht des österreichischen Regiments in Belgien bedeutete. Und das Reich? Es hatte natürlich das Nachsehen. Es hatte wohl früher einmal, im Verlaufe der Verhandlungen von Gertruidenberg, einen Moment gegeben, wo es schien, als würden die Reunionen Frankreichs im Elsaß rückwärts revidiert werden, und als würde auch das deutsche Reich eine Schutzbarriere von Festungen zgegen Frankreich erhalten. Aber wer dachte jetzt noch an solche Zugeständnisse! Die Lage war derart unbefriedigend, daß sich Kaiser und Reich, abgesehen von Preußen, das durch die Zession einiger Brocken der oranischen Erbschaft zum Friedens⸗ beitritt veranlaßt wurde, den Krieg fortzusetzen entschlossen. Ein Wagnis, das als Entschluß den Beteiligten alle Ehre macht. Aber zu erreichen war jetzt nichts mehr, wie sich bald zeigte; und auch die Energie fehlte, die dem Willen zur Fort— setzung des Krieges die Aufstellung der entsprechenden kriege— rischen Macht hätte folgen lassen müssen. Die Franzosen nahmen unter diesen Umständen den Kampf mit Leichtigkeit auf; Villars errang am Oberrhein über Prinz Eugen im Grunde wenig ruhmvolle Erfolge; Landau fiel und nach ihm Freiburg — und schließlich blieb den Deutschen doch nichts übrig, als Frieden zu schließen. Er kam am 7. März 1714 zu Rastatt für den Kaiser, am 7. September 1714 3u Baden mit dem Reiche zustande. Die Ordnung der Dinge, die durch diese Friedensschlüsse begründet wurde, war natürlich schon zum großen Teile durch den Inhalt des Utrechter Friedens vorgeschrieben. Innerhalb des frei gebliebenen Bereiches von Abmachungen aber war sie dem Kaiser günstiger als dem Reiche. Der Kaiser erhielt aus der spanischen Erbschaft Mailand,