584 J Einundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel. Neapel, dem Meere anliegende Stücke von Toskana und auch Sardinien, das jetzt dem bayrischen Kurfürsten verloren ging, so daß dieser aus der mehr als zehnjährigen Kampfeszeit ohne jeglichen Gewinn heraustrat. Es waren immerhin beträchtliche Teile Italiens. Dazu kamen die südlichen Niederlande mit Ausnahme eines Teiles von Geldern, das schon im Utrechter Frieden an Preußen gefallen war, und mit der Belastung durch den nordniederländischen Barrierevertrag. Gewiß war mit alledem nicht jeglicher habsburgische Wunsch erfüllt. Stellt man aber die Rechnung auf Ästerreich allein, und wendet man den Blick rückwärts bis in den Anfang der achtziger Jahre des 17. Jahrhunderts, so erscheint der Aufschwung dieses Reiches doch als höchst stetig und wie ein beinahe unerwartetes Motiv, das aus Unsummen von Widerwärtigkeiten und Unglück immer wieder und in immer höherer Vollendung hervorbricht. Das österreich des Jahres 1714 hatte in den südlichen Nieder— landen die volle Handhabe, sich in den westeuropäischen Händeln zur Geltung zu bringen; es besaß weiter die Anwartschaft auf eine italienische Gesamtherrschaft; und es konnte den Versuch machen, von der Adria, ja vielleicht vom Tyrrhenischen Meere aus nicht minder wie von den belgischen Häfen her auch die Aspirationen einer Handelsmacht zu entwickeln. Es war ferner noch fest im Reiche begründet; aber es hatte den deutschen Besitz in Zentraleuropa durch den gewaltigen Erwerb Ungarns gleichsam verdoppelt; und in seinen künftigen Kriegen sollten die streifenden Völker früherer Kuruzzenaufstände eine der neuen Herrschaft ergebene Rolle spielen. Es war mit einem Worte zur größten Macht des zentralen Europas geworden und damit zu einer europäischen Großmacht überhaupt. Es sind vielleicht die schönsten Zeiten des deutschen Hauses Habs— burg gewesen, die jetzt gingen und kamen: es war das öster— reich „an Siegen und an Ehren reich“, das nun Deutschland und einen guten Teil der europäischen Welt beherrschte. Wie viel weniger günstig waren dagegen die Lose des Reiches und seiner Fürsten gefallen! Von einer französischen Barriere war in Rastatt und Baden keine Rede mehr;