388 Einundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel. 1718 auf die folgenden Bedingungen: Die Pforte gewährte den kaiserlichen Landen einen Handelsvertrag, der dem deutschen Kaufmann den Donauweg nach Osten eröffnete; und sie trat das Banat ab, dazu das nördliche Serbien mit Belgrad, einen Teil der kleinen Walachei bis zur Aluta sowie einige bosnische Distrikte an der Unna. Es war das ganze Ungarn und mehr, was das Haus Habsburg jetzt erhielt; es war die Krönung der Türkenpolitik und Türkenkriege der letzten Geschlechter. Auch Venedig machte bei dieser Gelegenheit seinen Frieden mit den Türken. Natürlich nicht unter so günstigen Bedingungen wie sterreich. Es mußte die letzten Besitzungen auf Kreta aufgeben; es verlor Morea. Doch behielt es Cerigo und gewann zum Schutze der ihm verbleibenden ionischen Inseln so viele Stützpunkte auf dem albanischen und dalmatischen Fest⸗ lande, daß seine Herrschaft auf der Adria fast mehr, als bisher, gesichert schien. — Wie die lange Zeit der Türkenkriege im 17. Jahrhundert, so hatte aber auch das Jahrzehnt des spanischen Erbfolgekrieges aoch seine spezifischen Nacherscheinungen; und auch diese waren naturgemäß für sterreich von großer Bedeutung. Es handelte sich dabei vornehmlich um die junge Herrschaft Osterreichs in Italien, um Mailand und Neapel und den anderen habsburgischen Besitz sowie seine Einflußsphäre; und die Bestreitung dieses Erwerbes ging in einem sehr merk—⸗ würdigen Zusammenhange von Spanien aus. Es ist schon einmal angedeutet worden, daß üsterreich mit den großen Erwerbungen im Donaugebiete und in Italien sowie dem Anfall der ehemals spanischen Niederlande eigentlich ein Landgebiet zugefallen war, von dem aus es sich wohl zu einer großen Handels- und Seemacht entwickeln konnte. Und dies Moment wurde seit den ersten Jahrzehnten des 18. Jahr⸗ hunderts keineswegs übersehen; es war, als sollten jetzt die früheren Mahnungen der Becher und Hörnigk! Erfüllung finden. Dabei ging man naturgemäß von derselben Kombination Bgl. Bd. VI -- S. 442 ff.