Türkenkriege u. spanischer Erbfolgekrieg; Osterreich europ. Großmacht. 589 — Herzog Rudolf IV. in den Vordergrund seiner Pläne, ein kommerzielles Osterreich zu entwickeln, gestellt hatte: man ver— suchte zunächst in der Adria eine Seegewalt zu erringen. Nachdem der Friede von Passarowitz den Landweg nach dem Südosten, tief hinein in die Gebiete des türkischen Reiches, erschlossen und die heimische Politik wenigstens manche der Zollgrenzen niedergelegt hatte, welche die einzelnen Länder Osterreichs, vor allem auch in ihren von Westen nach Osten perlaufenden Grenzen voneinander trennten, schien es, als ob für einen österreichischen Hafen an der Adria ein ungeheures Hinterland gewonnen wäre, das die gesamten Uferländer der mittleren und oberen Donau, das Alpengebiet mindestens vom Brenner ab nach Osten und das Littorale der nördlichen Adria selbst umfaßte. Es waren die Vorbedingungen, von denen aus jetzt das schon seit vier Jahrhunderten österreichische Triest mächtig emporzublühen begann, ohne daß Venedig zu wider⸗— sprechen wagte, obwohl dessen stolzer Handelsstaat in seinen großen Zeiten die Adria aufs strengste als mare) clausum behandelt hatte. Es war die Befreiung der Adria überhaupt. Denn nachdem einmal der venetianische Bann gebrochen war, wagte sich auch der Papst mit der Offnung seiner trans—⸗ apenninischen Territorien hervor und erklärte Ancona zum Freihafen. Aber die Gedanken Karls VI. beschränkten sich nicht auf das Projekt der Hebung Triests. Es war natürlich, daß er von hier aus zunächst den Mittelmeerhandel, vor allem mit den Häfen seiner anderen italienischen Besitzungen, unter kaiser— licher Flagge zu fördern suchte. Aber auch über diesen Umfang griff er hinaus. Unmittelbar mit den großen Seemächten Westeuropas suchte er in Wettbewerb für den freien Ozean und den eigentlichen Welthandel zu treten, indem er nicht nur den italienischen Handel seiner Flagge nach den südlichen, nunmehr österreichischen Niederlanden hob, sondern in diesen jelbst Anstalten zu transozeanischem Handel traf. Wir erinnern uns hier, daß die spanischen Niederlande damprecht, Deutsche Geschichte. VII. 2. 38