Die nordd. Staaten u. d. nord. Krieg; Entwickl. d. preuß. KGnigtums. 613 religiössen Bedenken und frommen Stimmungen fern hat er die Religion seiner Väter im Grunde nicht einmal abzuschwören brauchen, als er, einer Flitterkrone halber, katholisch wurde. In seiner maßlosen Genußsucht aber ist er das Prototyp jener fürstlichen Kreise in Deutschland geworden, die französischen Glanz des Absolutismus mit schließlich dennoch unzureichenden Mitteln nachzuahmen versuchten — unter der herben gleich— zeitigen Kritik von Fürsten wie Friedrich Wilhelm J. und unter dem Fluche der späteren Nachwelt. Friedrich August kommandierte noch als Kurfürst in Ungarn übrigens erfolglos, wie er denn im Felde fast niemals glücklich war — als, am 17. Juni 1696, König Johann III. Sobieski starb: und damit wieder einmal der Wettbewerb um die Krone Polens eröffnet wurde. Diesmal bereits unter den unerfreulichsten Erscheinungen. Denn schon zeigte sich die aristokratische Republik innerlich vollkommen zerfressen; alles war in ihr feil: vor allem die Wahlstimmen, die von den Inhabern teilweise bereits in ständigem Übergange von Partei zu Partei zu immer höherem Marktwert gesteigert wurden. Unter den Kandidaten hatte der beste und ehrlichste, der Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden, bald keine Aussicht mehr; nicht minder gewannen einige von Ästerreich geförderte Wettbewerber, Jakob Sobieski, der mit einer Radziwill ver⸗ heiratete Herzog Karl von Pfalz⸗Neuburg, der Herzog Leopold Joseph von Lothringen, die beiden letzteren dem Kaiserhause nahe verwandt, keine zahlreiche Anhängerschaft. Unter diesen Umständen schien der Erfolg am ehesten der französischen Agitation zu winken, die, nach manchem Zögern, für den Prinzen Franz Ludwig von Conti, einen Neffen des großen Condsé, eintrat: klug hatte sie ihre Schätze erst gegen Schluß der Wahlkampagne verteilt, und so erschien die Wahl Contis in den ersten Monaten des Jahres 1697 so gut fast wie sicher. Da trat im letzten Moment noch, durch sich selbst auf— —DD anderem der Verzicht auf lauenburgische Erbansprüche gegen— über Hannover geliefert hatte, Friedrich August von Sachsen