314 Einundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. auf den Plan. Und mit welcher Entschiedenheit ging er seinen Weg! Natürlich mußte er als ernsthafter Kandidat katholisch sein; gegen Ende Juni sollte die Wahl stattfinden — am 1. Juni trat er, zu Baden bei Wien, in den Verband der Kirche ein, die seine Vorfahren verflucht hatten. Und natürlich gewann er damit die Unterstützung des kaiserlichen Hofes, der seine alten, doch aussichtslosen Kandidaten fallen ließ. Am 16. und 17. Juni 1697 kam es zur Wahl: die Welt erlebte eine Reihe unglaublich wüster Vorgänge, deren Charakter man sich an der Reichstagsszene in Schillers „Demetrius“ ver⸗ gegenwärtigen mag. Als Ergebnis aber stellte sich die Doppel— wahl des sächsischen Kurfürsten und des Prinzen von Conti heraus, doch mit einem stärkeren Ausschlag für den Prinzen Conti. Aber Friedrich August war nicht geneigt, sich vom Zufall kommandieren zu lassen. Schon vorher hatte er in der Lausitz ein kleines Heer von Kerntruppen zusammengezogen, und während sein Gegner zögerte, um schließlich mit einer Flotte vor Danzig zu erscheinen und, schnöde abgewiesen, zum Spott der Welt unverrichteter Sache wieder nach Frankreich heim⸗ zukehren, marschierte er vorwärts, direkt auf Krakau. Und hier wurde er, unter ständigem Anschwellen seines Anhanges, den zu gewinnen sein ihm geistig ebenbürtiger Vertreter Flemming kein Mittel scheute, am 15. September unter prunk⸗ haften Feiern zum König gekrönt. So war es denn geschehen: auf demselben Haupte vereinigten sich sächsischer Kurhut und polnische Krone. Ließ sich in diesem Augenblicke wohl übersehen, was das Ereignis für Deutschland, insbesondere für Kursachsen bedeuten werde? Was die Welt zunächst erwartete, war Vorteil, steigende Macht vielleicht, noch mehr aber Splendeur und Gloire. Und ein nicht geringer Ab— glanz dieser Vorgänge fiel auch auf den Katholizismus. Gewiß hat es sich erst mit dem Übertritte des sächsischen Kurprinzen Friedrich August zum Katholizismus, geheim 1712, offen 1717 entschieden, daß die Dynastie des Stammlandes des lutherischen Protestantismus katholisch sein werde. Dennoch machte auch