Die nordd. Staaten u. d. nord. Krieg; Entwickl. d. preuß. Königtums. 615 schon der persönliche Übertritt allein Augusts des Starken auf die Zeitgenossen einen außerordentlichen Eindruck. Und das um so mehr, als er in eine Zeit aufsteigender katholischer Propaganda überhaupt und zunehmender Konversionen nament-⸗ lich deutscher Fürsten fiel. Es sind Zusammenhänge, die man nach allen Seiten im Auge behalten muß, will man zum vollen Verständnisse gleich— zeitiger und wenig späterer Ereignisse in Brandenburg-Preußen gelangen. — Brandenburg-Preußen hatte unter dem Großen Kurfürsten jene Ausbildung zum Militärstaat zu erhalten begonnen, die viel— fach noch heute für die preußische Monarchie charakteristisch ist; vor allem in diesem Sinne muß Friedrich Wilhelm als der Be— gründer der besonderen, herben Größe seines Staates bezeichnet werden. Dabei war aber das neue Prinzip einstweilen doch vornehmlich in der Person seines Herrschers verkörpert gewesen; nur schwer hätte sich sagen lassen, daß es der Staat selbst schon ganz oder gar schon spontan in sich aufgenommen hätte; im Gegenteil, er bot eine namentlich finanziell viel zu geringe Basis für die Ansprüche und die Entfaltung der schon vor— handenen militärischen Macht: und hierin lag für jeden Nach— folger des Großen Kurfürsten eine verhängnisvolle Schwierigkeit. Diese Schwierigkeit wurde aber bis auf einen gewissen Grad noch gesteigert durch den besonderen Charakter Friedrichs, der seinem Vater im Jahre 1688 folgte. Friedrich war nicht in dem Grade schwach, wie er gewöhnlich geschildert wird; dem verhängnisvollen letzten Testamente seines Vaters, das den neuen Ländererwerb seit 1640 in Sekundogenituren zu verzetteln beabsichtigte, ist er mit Entschiedenheit und mit un⸗— bedingtem Erfolge entgegengetreten. Aber er war aufs Außer⸗ liche gewandt. Darum war er in der inneren Politik, deren Aufgaben Vertiefung verlangen, im ganzen unfruchtbar bei aller Geneigtheit zu Experimenten; darum schätzte und liebte er Personen nur oberflächlich: der Kanzler Danckelmann hat es bitter erfahren müssen. Aus dieser Veranlagung folgte nun zunächst für das innere Leben des Hofes und teilweise