316 Einundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. auch des Landes etwas, was Brandenburg bis dahin kaum gekannt hatte: eine gewisse Neigung zur Opulenz. Nicht als ob damit so sehr ein verschwenderischer Hang auf das bloß und rein Außerliche verbunden gewesen wäre; war er gelegentlich nicht ausgeschlossen, so ging doch die Neigung bei weitem mehr auf ernste Dinge, wie sie ja auch dem ernsten Charakter des Landes entsprachen: auf Pflege der Wissenschaften, auf Pflege einer wenn auch mageren Kunst. In beiden Richtungen hatte wohl auch schon der Große Kurfürst eingegriffen; bekannt ist die Berufung Pufendorfs zum Historiographen und der Plan zur Errichtung einer Universalakademie in Tangermünde, und im höchsten Grade anschaulich wirken zu uns herüber noch künstlerische Bestrebungen, wie die, die sich an die Person des großen Schlüter knüpften. Aber es waren doch noch vereinzelte Versuche gewesen; in den meisten Fällen konnte man das holländische Vorbild unmittelbar durchschmecken. Unter Friedrich dagegen wurde dieser Strom breiter und unablässiger, so in der Pflege des Rationalismus und Pietismus in Halle, dessen Ritterakademie zur Universität entwickelt wurde, so in dem persönlichen Verhältnisse des Kurfürsten zu Leibniz, das zur Gründung der Berliner Akademie der Wissenschaften führte, und in tausend anderen Dingen. Was aber charakteristisch war: auf dem Boden der Mark, den Musen und Grazien noch hart fanden, behielt das alles zunächst einen höchst persönlichen, höchstens höfischen Zug, eine Erscheinung, die ein Versiegen der neuen Bestrebungen unter Friedrich Wilhelm J. ermöglichte, und die selbst in der persönlichen Kunst- und Wissenschaftspflege Friedrichs des Großen noch fortwährte: ganz und eigentlich hat sich in Berlin und im brandenburgisch-preußischen Staate erst im 19. Jahrhundert die Förderung der höchsten Kultur⸗ interessen in Wissenschaft und Kunst als natürlicher und not⸗ wendiger Ausfluß des Staatslebens eingestellt. Unter diesen Umständen versteht man, daß das neue Regiment Friedrichs im Grunde von einem starken persönlichen Luxusbedürfnis getragen erschien; das drückte denn schwer auf die Finanzen, den an sich schon schwachen Punkt der